Stephen Kings „Mysery“ lässt einmal mehr grüßen und stand definitiv Pate für den Hauptplot des TV-Films von Regisseur David Martín Porras. Der mit „Unwritten Obsession“ oder alternativ „Fangirl“ betitelte Streifen erhielt vom deutschen Verleih den unsäglichen „Der Alptraum schläft im Gästezimmer“. Das ist ein wenig so, als würde man einen Thriller der Marke Whodunit „Der Gärtner war es“ nennen.
Seit ihrem letzten Erfolg leidet Schriftstellerin Skye (Haley Webb) unter einer Schreibblockade und ist nahezu pleite. Nach einer Lesung wird sie von dem Fan Holly (Chelsea Lopez) angesprochen. Als Mentorin für ihr eigenes Manuskript würde sie Skye 2000 Dollar bezahlen, diese willigt ein und lässt die junge Frau kurzfristig die eigenen vier Wände bewohnen. Als Skye die ersten Seiten des Manuskripts liest, ist sie begeistert und entschlossen, die Geschichte als ihre eigene zu veröffentlichen, doch auch Holly verfolgt einen Plan…
Ein bis auf wenige Nebenfiguren auf zwei Charaktere minimiertes Stück birgt grundlegend die Gefahr der Einseitigkeit, was hier nicht gegeben ist. Früh deutet einiges darauf hin, dass beide mit falschen Karten spielen und sich einige Zeit belauern dürften. Während Skye bereits vor dem Frühstück zum hochprozentigen Muntermacher greift, dringt Holly ungefragt in die Privatsphäre der Schriftstellerin ein, indem sie auf dem Dachboden Erinnerungsstücke von Skyes verstorbenen Verlobten herauskramt, der sich, wie man der Exposition entnehmen kann, vor fünf Jahren die Kugel gab.
Eine ganze Weile funktioniert das Katz-und-Maus-Spiel ganz ordentlich, immer wieder werden moralische Grenzen überschritten und kleine falsche Fährten gelegt. Dennoch lassen diverse Verhaltensweisen nicht allzu viele Schlussfolgerungen zu, wonach das Finale keine nennenswerten Überraschungen parat hält und die Szene nach dem eigentlichen Showdown eher hanebüchen anmutet.
Das handwerkliche Niveau ist dem eines typischen TV-Films angemessen. Die Kamera arbeitet solide, jedoch kaum variabel, allerdings ist der Score gefällig simpel arrangiert und schürt früh eine bedrohliche Grundstimmung, was gleichermaßen zur Atmosphäre beiträgt. Darstellerisch wird allerdings nicht mehr als tauglich geliefert, wobei Webb etwas nuancierter zu Werke geht als Lopez, die erst zum Showdown ein wenig aus sich herauskommt.
So bietet der zweite Langfilm von Porras einen über weite Teile angenehm unkomplizierten Thriller, der für die Dauer von 87 Minuten genügend bei der Stange hält, im Nachhinein allerdings keine Begeisterungsstürme auslösen dürfte.
6 von 10