Das auf wahren Begebenheiten basierende Justizdrama erinnert sinngemäß an einen uralten Flachwitz: Treffen sich drei Hunde. Einer aus Deutschland, einer aus den USA, einer aus Afghanistan. Der deutsche: „Wenn ich belle, bekomme ich meistens einen Knochen!“ Der amerikanische: „Was ist ein Knochen?“ Der afghanische: „Was ist Bellen?“.
In „Saint Judy“, so der treffende Originaltitel, entdeckt der Ami-Hund den Knochen und bringt dem afghanischen das Bellen bei.
Immigrationsanwältin Judy Wood (Michelle Monaghan) arbeitet nach ihrem Umzug selbstständig und versucht aktuell, die afghanische Lehrerin Asefa (Leem Lubany) vor der Abschiebung zu bewahren. Doch bereits die erste gerichtliche Anhörung bringt juristische Tücken mit sich…
Regisseur Sean Hanish geht ein aktuelles und brisantes Thema an, wobei der geschilderte Fall mehr als nur ein Beispiel darstellt. Eine junge Frau wird aus kaum nachvollziehbaren Gründen inhaftiert und vergewaltigt, gelangt über Umwege in die USA. Bei einer Rückkehr droht der so genannte Ehrenmord durch die Brüder. Ein bereits geschundenes Opfer soll ergo doppelt bestraft werden. Ein entscheidendes Dilemma bei Abschiebeprozessen war lange Zeit der Fokus auf vermeintliche Minderheiten und per se gilt eine Frau nicht als Minderheit, wenn sie nicht gerade politisch verfolgt wird. Eigentlich grotesk, da mit zweierlei Maß an unterschiedlichen Stellen angesetzt wird.
So packend der Kern der Geschichte auch ist, zuviel wird zuweilen mit Nebenfiguren und beiläufigen Handlungssträngen verbracht. Das Aufmucken des Sohnes und ein dazugehöriges Sorgerechtsgedöns, das Anliegen einer Mexikanerin oder das Mitwirken eines mittlerweile desillusionierten Anwalts (Alfred Molina) nehmen mitunter ein wenig die Dynamik heraus und sorgen nur sehr bedingt für Abwechslung. Als deutlich stärker erweist sich das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren, die einiges gemein haben und schon von daher den emotionalen Mittelpunkt bilden, - bei Fortschritten oder Rückschlägen, nicht nur auf juristischer Ebene.
Infolgedessen kann sich Hanish voll auf seine Darsteller verlassen, welche auffallend nuanciert performen, authentisch rüberkommen und anbei ein wenig lakonischen Humor einfließen lassen. Der Score geht mindestens in Ordnung, nur optisch hält sich die Chose soweit zurück, dass das Niveau eines durchschnittlichen TV-Films erreicht wird.
Dennoch ein bewegendes, teils aufwühlendes Drama mit wichtiger Botschaft und starker Pointe.
7 von 10