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„Point Blank“ ist ein simpler, aber erfrischend direkter Gangsterfilm der späten 60er, der mit Brian Helgelands „Payback“ ein noch besseres Remake erfuhr.
Walker (Lee Marvin) ist ein knüppelharter Gangster, der zusammen mit seinem Partner Mal Reese (John Vernon) den großen Coup landen will: Ein paar Geldkuriere auf der verlassenen Gefängnisinsel Alcatraz ausnehmen. Anfangs scheint die Sache glatt zu gehen, doch dann wird Walker von Reese niedergeschossen, der sich mit Walkers Ehefrau Lynne (Sharon Acker) aus dem Staub macht. Walker wird dann im Folgenden schnell als harter Typ, mit dem nicht zu spaßen ist, eingeführt.
Denn Walker will nach seiner Genesung direkt seinen Anteil haben, nicht mehr und nicht weniger. Lynne ist inzwischen vom Reese verlassen worden und stirbt an einer Überdosis Schlaftabletten, doch Walker verfolgt von ihr hartnäckig Hinweise auf Reese’ Aufenthaltsort…

Wenn man „Point Blank“ sieht, erkennt man schnell, dass sich „Payback“ sehr genau an die Vorlage hält, denn auch hier steht der Ex-Komplize im Dienste eines Syndikats mit dem sich der Held anlegt, um an seine Knete zu kommen. Im Gegensatz zum Remake fehlen leider die Ironie und der zynische Humor, mit denen „Payback“ den im Grunde genommenen komplett simplen Rachefeldzug erst so richtig schmackhaft machte. Doch obwohl „Payback“ besser abschneidet, ist auch „Point Blank“ ein unterhaltsamer Gangsterfilm.
Ohne große Umschweife wird Walkers verbissene Jagd nach dem Geld geschildert, erfrischend geradlinig und mit kaum Abschweifungen, abgesehen von der Lovestory zwischen Walker und seiner Schwägerin Chris (Angie Dickinson), die sich aber auch auf den Racheplot auswirkt. Ein paar Überraschungen hält die Geschichte auch parat (z.B. was es mit Walkers geheimnisvollem Helfer auf sich hat, auch wenn man es sich kurz vor Schluss bereits denken kann) und Walker beweist bei seinem Vorgehen viel Einfallsreichtum, der „Point Blank“ von einfallslosen Gangsterstreifen abhebt. So inszeniert Walker z.B. einen Raubüberfall, um die Bewacher eines Hotels abzulenken.

Große Action darf man trotz einiger nett gemachter Prügeleien und kleinerer Schusswechsel nicht erwarten. Doch „Point Blank“ erfreut durch die herrlich kompromisslose Hauptfigur: Walker schüchtert seine Gegner ein, tötet sie, wenn er muss, und das Geld will er auch in erster Linie, weil es hier ums Prinzip geht. Zudem bebildert Regisseur John Boorman den Rachetrip recht originell (z.B. werden diverse Szenen mit Rückblenden zusammenmontiert).
Lee Marvin ist da auch die passende Besetzung für den hart gesottenen Schweinehund: Sarkastisch, einsilbig und skrupellos präsentiert sich der Altstar und erweist sich als fähig den Film über weite Strecken allein zu tragen. Angesichts der gut aufspielenden Fieslingsriege wäre das an sich nicht nötig, aber Angie Dickinson leistet sich gelegentlich mal ein paar Ausfälle (z.B. ihr Wutausbruch, der wenig überzeugend und fast schon unfreiwillig komisch wirkt).

So kann man letzten Endes sagen, dass „Point Blank“ ein geradliniger und recht spannender Gangsterfilm ist, der freilich etwas simpel und innovationsarm daherkommt. Doch durchaus sehenswert, schon allein, wenn man Vergleiche mit dem noch besseren, weil zynisch-humorvolleren Remake „Payback“ ziehen möchte.

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