Review

"Stahlhart, aber noch kein Profi"

Mel Gibson ist inzwischen deutlich zu alt für den Scheiß, wie Kollege Murtaugh immer zu sagen pflegte. Da ist ist es nur logisch und konsequent, dass nun der Sohnemann die Kastanien aus dem Feuer holt was in diesem Fall heißt die bösen Buben aus dem Verkehr zieht. Das ist im Prinzip dann auch schon die Quintessenz der DTV-Produktion „All the Devil´s Men". Man kann´s auch positiv sehen, denn hier wird sich unbedingt und ohne Umschweife aufs Wesentliche konzentriert.

Milo hat vom Herrn Papa schon mal die physische Präsenz und das unterschwellig Animalische geerbt. Charisma und wölfisches Grinsen sind im DNA-Dschungel aber wohl irgendwo falsch abgebogen, zum Glück gibt es im vorliegenden Fall für beides keinerlei Bedarf. Der ehemalige Navy-Seal Jack Collins ist wie man so schön sagt „durch" und verdingt sich als Auftragskiller für die CIA. Dazwischen betäubt er seine traumatischen Kriegserinnerungen mit Speed, was wiederum sein Kriegsjunkietum weiter befeuert. Lange müssen wir uns mit diesem psychischen Teufelskreis aber nicht herumschlagen, denn die Arbeit ruft.

Im knackigen Auftakt gibt Jack schon mal eine Visitenkarte seiner Killerqualitäten ab, als er in Marokko einen dubiosen Geschäftsmann eliminiert. Die Mischung aus Kaltblütigkeit und Improvisationstalent ist auch beim nächsten Job gefragt, zumal die Zielpersonen aus den eigenen Reihen stammen und damit deutlich gefährlicher sind. Sehr zu Jacks Missfallen muss er diesmal auch noch im Team arbeiten, immerhin ist sein alter Freund Brennan (Action-Urgestein William Fichtner) mit von der Partie. Der andere ehemalige Waffenbruder steht auf der Gegenseite in Diensten eines abtrünnigen CIA-Agenten mit Terrorkontakten. Und der regelt seine Angelegenheiten gern endgültig.

Nach kurzem Zögern (es gibt irgendwo auch noch ne Familie, die Jack nur vom Sehen kennt) und noch kürzerem Briefing (CIA-Agentin Leigh ist so spröde wie humorlos) geht´s also ab nach London zur Flurbereinigung. Diese läuft dann ähnlich schnörkellos wie das Vorgeplänkel ab und hat eine Reihe kompromissbefreiter Actionszenen in petto. Wer Freude an militärtaktischen Abläufen hat, muss sich hier nicht fremdschämen. Ein weiterer Pluspunkt ist die erfreuliche Abstinenz der genreüblichen Masche, mit hanebüchen komplizierten Plots die defizitäre Action zu vertuschen. Hier gibt es keine abstrusen Dreifachtwists oder bräsige Erklärbärelogen zu ertragen, hier ist der (zugegeben recht dünne) rote Faden immer klar und deutlich erkennbar.

Allzu große Schauwerte sollte man bei dem reduzierten Budget und der knappen Drehzeit (8 Wochen) nicht erwarten, v.a. nicht hinsichtlich der Locations. Die realen Drehorte Marrakesch und London sind in diesem Segment allerdings schon als Highlight zu verbuchen, auch wenn natürlich die üblichen Hinterhöfe und Randviertel prominenter vertreten sind. Ein eigener, gar origineller visueller Stil ist leider mal wieder nicht im Package, obwohl sich Regisseur Matthew Hope eine 7-jährige Schaffenspause gegönnt hat. Handwerklich ist zumindest ein kleiner Kompetenzhüpfer im Vergleich zum Vorgänger „The Veteran" (2011) erkennbar.

Fazit:
Mel Gibson-Sproß Milo entsorgt in diesem grimmigen Actionthriller im Londoner Hinterhof schmutzige CIA-Wäsche. Ein kompaktes Discount-Produkt mit klarem Fokus aufs Wesentliche, ohne viele der im B-Sektor üblichen Schnitzer, aber auch ohne qualitative Ausreißer nach oben. Zu Papas (einstigem) Action-Olymp ist es noch ein langer Weg. Vielleicht treffen sie sich ja unterwegs.

Details
Ähnliche Filme