Review

kurz angerissen*


Wenn der Star von Bord geht und die trotz allem geplante Fortsetzung ohne ihn auskommen muss, dann setzt das normalerweise eine unaufhaltsame Kettenreaktion in Gang, an deren Ende nicht gerade ein sehenswertes Produkt wartet. Kein Star, kein Werbeobjekt. Kein Werbeobjekt, keine Resonanz. Keine Resonanz, kein Budget. Kein Budget, keine Fortsetzung, die man ohne jede Scham als solche bezeichnen könnte.

Doch „Gänsehaut 2“ hat ein paar Überraschungen parat. Dazu gehört, dass Jack Black eben doch mit dabei ist, auch wenn er nicht in den Credits geführt wird und in seinen paar Minuten Einsatzzeit gegen Ende der Partie einen nicht gerade essentiellen Beitrag leisten darf. Viel überraschender jedoch: Der unbeschwerte Monster-Spaß, den Teil 1 ermöglichte, erlebt nicht die befürchtete Talfahrt, sondern pendelt sich auf einem Level ein, das zumindest noch in der gleichen Liga zu verorten ist.

Abstriche sind natürlich dennoch zu machen. „Gänsehaut“ war insgesamt atmosphärisch dichter und hatte auch eine Geschichte zu bieten, die zumindest den Ansprüchen von Kinounterhaltung für Kinder genügt, bei der sich auch dem älteren Publikum nicht die Zehennägel aufrollen. Wenn der zweite Teil Defizite aufweist, dann in diesem Punkt: Das Drehbuch ähnelt dem Baukastensatz, der für TV-Filme aus dem Nachmittagsprogramm vorgesehen ist. Erwachsene spielen praktisch keine Rolle mehr; wenn sie einen Auftritt haben, dann als dumpfbackige, fantasielose Paragraphenreiter, die mit Scheuklappen durch die Welt rennen. Auch der größtenteils ausgetauschte Cast ist ein typisches Symptom von dtv-Ware. Immerhin ist eine der Hauptrollen mit „ES“-Kinderstar Jeremy Ray Taylor besetzt und Ken „Mr. Chow“ Jeong darf als benachbarter Super-Weirdo die halbe Dekoration des Films in seinem Vorgarten verwalten.

An der Menge und Qualität der Spezialeffekte allerdings gibt es nichts zu meckern. Das kunterbunte Nebeneinander aus Galle spuckenden Kürbissen, Gummibärchen-Armeen und alten Bekannten wie dem Yeti oder dem Werwolf ist zwar nicht besonders organisch in die Umgebung eingebunden, trägt aber zu einem vielfältigen Bonbonlook bei, der Wonnegefühle freisetzt wie eine fabrikneue Tafel Schokolade. Die allgegenwärtigen Ansprüche an realistische Spezialeffekte werden wie schon beim Vorgänger geflissentlich ignoriert und die Konsequenz, mit der das geschieht, kann nur das Herz erfreuen. Mit dem stark von „Frankenstein“ inspirierten, in Plasma-Grün getauchten Schlussteil formt sich Stines Lexikon des monströsen Allerlei dann sogar noch zu einem ganz konkreten Filmzitat, das die kleineren Zuschauer spielerisch an alte Filmklassiker heranführt.

Das ändert zwar nichts an dem eher zweitklassigen Gesamteindruck, aber nachdem man bereits Kinderanimation aus dem Super-RTL-Programm erwartet hatte, entpuppt sich „Gänsehaut 2“ doch noch als positive Überraschung.


*weitere Informationen: siehe Profil

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