kurz angerissen*
Mögen die Guerilla-Taktiken im Sezessionskrieg auch kritisch hinterfragt werden, so muss sich „Kansas Raiders“ trotzdem die Frage gefallen lassen, weshalb er William Quantrill, der immerhin für das Lawrence-Massaker verantwortlich war, noch so verhältnismäßig ehrenhaft zeichnet; ganz zu schweigen von seiner Bande und allen voran Jesse James, der während des Massakers als gutes Gewissen in Erscheinung tritt. Audie Murphy stellt James als intelligenten, dabei unscheinbaren und loyalen Idealisten mit Führungsqualitäten dar. Man könnte dem Film also vorwerfen, er stelle die Charaktere beschönigend dar, um Identifikationsfiguren zu haben.
Allerdings ist einzuwerfen, dass der perspektivisch eng gefasste und somit nah an der Reitergruppe weilende Kriegswestern seine aufputschende Revolutionsstimmung immer wieder mit unvorhersehbaren Gräueltaten durchschneidet, die letztlich an der Entschlossenheit der Beteiligten keinen Zweifel lassen. Gerade Murphys Figur wird so zu einer unberechenbaren Konstante geformt, da er einerseits von menschlichen Zügen bewegt wird, andererseits in gewissen Situationen aber auch dazu bereit ist, jedes Mittel einzusetzen.
Der Gewissenskonflikt nach dem Angriff auf Lawrence fällt hingegen vergleichsweise schmal aus. Der 80-Minüter sucht schnell die Wende zu einem Belagerungsfinale. Das dabei freigesetzte Pathos passt nicht unbedingt zu einer Gruppe berüchtigter Outlaws, deren Namen in der deutschen Fassung kurioserweise verschwiegen werden. Ein packendes, von Gewissenskonflikten zerrissenes Werk im kleinen Rahmen, das in der Darstellung der historischen Figuren aber mindestens streitbar ist.
*weitere Informationen: siehe Profil