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Binladens haben von der Bezeichnung her einen simplen Ursprung: 500 Euro-Scheine existieren, doch man sieht sie selten bis gar nicht, ähnlich dem einstigen Terroristenführer.
Ergo sind 35000 Euro dem Originaltitel gemäß 70 Binladens.
Der Rahmen des spanischen Thrillers ist derweil ebenso einfach: Ein Banküberfall mit anschließender Geiselnahme, die im Verlauf ungeahnte Züge annimmt.

Bilbao, Nordspanien: Raquel (Emma Suárez) hat nur sehr wenig Zeit, einen korrupten Beamten vom Jugendamt zu schmieren, um ihre sechsjährige Tochter freizukaufen. Als ihr ein Bankdirektor einen Kredit gewähren will, wird diese Bank von Lola (Nathalie Poza) und Jonan (Hugo Silva) überfallen. Stets den Zeitdruck im Hinterkopf, versucht Raquel die Geiselnehmer zu beeinflussen, um irgendwie an das Geld zu gelangen…

Einen angenehmen Nebeneffekt liefert das Setting: Eine eher kleine, beinahe unscheinbare Bank, umgeben von Plattenbauten, ein nörgelnder Dorfpolizist und zwei junge, nicht immer sicher handelnde Spezialisten. Zudem verhalten sich die beiden Täter alles andere als abgeklärt, der Coup verläuft außerplanmäßig und bereits nach kurzer Zeit ist das Gebäude von einer Spezialeinheit umstellt. Doch nicht nur durch die planlosen Geiselnehmer erhält der Stoff eine unberechenbare Komponente, denn die durchtriebene Raquel spielt von Beginn an ein dubioses Spiel und taktiert viel.

Freiwillig bietet sie sich als Vermittlerin am Telefon an, nicht zuletzt, um den Ermittlern verschlüsselte Botschaften zukommen zu lassen, während die Räuber auf Einschüchterung setzen. So entwickelt sich der Stoff zu einem Duell der ungleichen Frauen, welcher ab und an von schwarzem Humor durchzogen wird, etwa, als ein Fußballhalbfinale für einen Moment sämtliche Parteien in seinen Bann zieht. Diesbezüglich wäre noch etwas mehr Situationskomik möglich gewesen.

Es folgen noch einige Wendungen, die teils fast beiläufig abgehandelt werden, während es nach dem eigentlichen Coup noch ein wenig weitergeht mit dem nicht immer glaubhaften Verwirrspiel um Finten und falsche Allianzen.
Wobei die beiden Hauptdarstellerinnen etwa gleich stark performen und das Geschehen mithilfe weiterer, durchweg fähiger Mimen recht rund erscheinen lassen.
Gleiches gilt für das grundsolide Handwerk, einschließlich einiger interessanter Spiegelperspektiven.

Regisseur Koldo Serra („Backwoods – Die Jagd beginnt!“) liefert mit seinem Thriller einen soliden Heist-Beitrag mit gutem Timing und einigen Auflockerungen, der auf den ersten Blick nur allzu vertraute Komponenten beinhaltet. Etwaige Wendungen sorgen für Abwechslung, wodurch Genrefans bedenkenlos zugreifen können.
7 von 10

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