Spanien in der Gegenwart: Álex und Abraham "Bram" kennen sich schon seit Kindheitstagen, seit sie sich auf der Treppe im gemeinsamen Wohnhaus begegneten und sie ihm helfen wollte, ein defektes Jojo zu reparieren. 10 Jahre später machen beide gerade ihren Schulabschluß an derselben Schule: sie sind Freunde geblieben aber kein Paar geworden, als Abraham sich in die asiatische Mitschülerin Anchi verliebt. Nicht nur deswegen steht Álex ein wenig neben sich - sie hat Visionen und Halluzinationen, fürchtet sich vor einer unbestimmten Bedrohung, während Abraham unter seinem jähzornigen Vater leidet, der als schlechter Geschäftsmann völlig überschuldet tagsüber in seinem kleinen Laden steht und Abrahams Mutter wie eine Dienerin behandelt. Eines Tages wird er dann überfahren, aber das hilft auch keinem der Beteiligten. Keine allzu heile Welt also in der Mietsbaracke, und Abraham muß dann zu einer Seelenklempnerin, die ihm helfen soll, zu sich selbst zu finden...
An sich bieten neuere spanische Filme durchaus ansprechende Thematiken, die vorliegende Netflix-Produktion Ánimas jedoch macht den ersten Fehler schon mit der Klassifizierung als Horrorfilm, der er zu keiner Zeit ist - vielmehr handelt es sich hier um ein Psycho-Drama. Leider bestehen drei Viertel des Streifens aus extremen Grünfilter-Aufnahmen von Álex´ Halluzinationen, die sich vorwiegend um geöffnete und geschlossene Türen handeln, durch die sie hindurchgeht um danach immer in einer anderen Wohnung/Umgebung zu stehen, wo sie sich erstaunt/erschreckt umblickt - ein Effekt, der schnell langweilt. Weiters passiert die ersten 60 Minuten lang fast überhaupt nichts, was die Handlung weiterbringen könnte. Erst als Abraham bei der Psychiaterin auf der Couch liegt und mittels Metronom sein Innerstes erforscht wird, vermag man aus den Versatzstücken irgendeinen Sinn zu erkennen glauben - zumindest soll man das. Aber selbst wenn einem dies gelingt und man nicht schon längst vorher abgeschaltet hat, muß die Frage erlaubt sein, was die kaum zusammenhängenden Grünsequenzen davor zu bedeuten hatten.
Darstellerisch ist nicht allzuviel auszusetzen, den unbekannten Schauspielern wird kaum etwas abverlangt: Álex, ein wenig attraktives Mädchen, leidet unter irgendwelchen Psychosen und ritzt sich heimlich die Haut auf, vermeidet durch ihr kaum flexibles Minenspiel aber jeglichen Sympathiebonus, während Abraham - mit deutlich weniger Screentime ausgestattet - ständig unter Druck scheint, Entscheidungen treffen muß die er gar nicht treffen will und insgeheim unter Álex´ Anwesenheit leidet. Was die Kameraführung betrifft, so wird hier ein exzessives Spiel mit diversen, hauptsächlich grünen Farbfiltern betrieben, dazu kommen unscharfe Bilder, Zeitlupeneinstellungen und ein paar Spielereien wie Gesichtsüberblendungen etc. Der Score (von psychedelisch bis progressiv) passt übrigens sehr gut zu der ganzen verquasten Chose, aber all dies ist kein Grund sich diesen Film anzuschauen, der keine wirkliche Handlung zu haben scheint und auch am Ende nicht wirklich etwas auflöst.
Möglicherweise ist Ánimas etwas für tiefenpsychologische Studien, vielleicht ist er auch ein verkanntes Meisterwerk, ich neige jedoch zu der (er)nüchtern(d)en Erkenntnis, für eine stinklangweilige Grünfilterorgie eineinhalb Stunden Zeit verschwendet zu haben. 1 Punkt.