Review

Mandala-Mauerblümchen


„Animas“ ist ein spanisches Coming-of-Age-Horrordrama, das schon einige Zeit/Jahre (!) relativ unentdeckt auf Netflix rumlungert. Ich würde jetzt gerne sagen, dass sich das „unentdeckt“ unbedingt ändern muss. Aber dem ist nicht so - „Animas“ wird völlig zurecht ignoriert. Und dabei ist die Beleuchtung, dabei sind die Farben, die Reize, die visuellen Vorbilder, mehr als ansehnlich und löblich. Aber inhaltlich ist das erschreckend... egal. Erzählt wird von einem Teenager, der in einem schwierigen Haushalt aufwächst und mit psychologischen Problemen kämpft. Zum Glück hat er seit seiner Kindheit immerhin eine sehr gute Freundin - doch die bekommt es nun mehr und mehr mit seltsamen Erscheinungen und gruseligen Schatten zu tun...

Audiovisuell ist „Animas“ oft ein Leckerbissen. Ich liebe seine Farben, die oft an „Suspiria“ und Co. erinnern, ich liebe seine Töne und Schatten, seine Lichter und sein Flackern. Und dennoch lässt mich der Rest dermaßen kalt, dass es nur noch umso ärgerlicher wirkt, was hier hätte sein können. Alles läuft auf diesen vom Intro bis zur Imdb-Inhaltsangabe (!) mehr als deutlichen, zu simplen Twist hinaus. Und ob man mit beiden Protagonisten fühlt, ihnen nahe ist. Und beides funktioniert hier für mich kein Stück. Die Wendung(en) ist/sind mehr als offensichtlich und kann man 2018 eigentlich nicht mehr bringen, die Figuren sind vanilla und vollkommen austauschbar. Und wenn beide Kernpunkte nicht greifen - dann bleibt nur noch Hülle. Und die kann ruhig hübsch, farbreich und atmosphärisch sein - doch sie verläuft dann vollständig ins Leere. Was vielleicht noch ärgerlicher ist als ein Reinfall auf allen Ebenen. Wer mehr mit den Figuren anfangen kann und für den die Auflösung nicht drei Meilen gegen den Wind zu riechen ist, dem mag es anders gehen. Doch davon gibt es sicherlich nicht viele Menschen. Denn besonders clever verschleiert wird hier nichts. Für mich fühlte sich „Animas“ zäh wie Kaugummi an. Und er befindet sich nahe der Zeitverschwendung, ist mir nur ein Kopfschütteln wert. Überholt und erstaunlich seelenlos. Selbst als reiner Coming-of-Age-Spuk vage und verschwommen. Ne. Das ist ein Satz mit X. 

Fazit: sehr schöne Farben, wenig zu sagen, viele Fragen. Amateur-Argento. Frustrierend und zäh, wirr und geradezu lächerlich im Twist. Manche Filme gehen auf Netflix auch vollkommen zurecht unter...

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