Review
von Leimbacher-Mario
The Hills Have Volleyballs
Wenn mit Olivier Afonso einer der größten Effektspezis Frankreichs („Raw“, „Die Horde“, „Schmetterling & Taucherglocke“) sich nach Jahren endlich auch auf den Regiestuhl traut, startet dieser natürlich nicht mit einem Historiendrama. Sondern mit knallhart-bescheuertem B-Kino über Volleyballerinnen gegen Kannibalen. Richtig gelesen. „Mila Superstar“ trifft auf „Inbred“. Und dann verkauft er diesen splattrigen Spaß an... Netflix! Wo die meisten Zuschauer damit einfach mal gar nichts anfangen können, weil sie nur meinen Trash und Gore wären im Mainstream bei ihnen angekommen. Aber „Sharknado“ ist eben nicht ausschlaggebend und kein „Girls With Balls“. So einfach ist das. Verstehen muss man diese Welt und das alles nicht. „Girls With Balls“ hätte auch sehr gut auf dem Obscura Filmfest in Berlin laufen können oder auf dem Fantasy Filmfest kurz vor Mitternacht auf dem letzten Slot. Und diese Leute bzw. das dortige Publikum wird dann auch sicher verstehen, wie diese Zeilen und meine Wertung einzuordnen sind.
„Girls With Balls“ ist in Blut getränkter Quatsch. Und das ist positiv gemeint. Die Prämisse sagt alles und verspricht nicht zu viel. Afonsos Herkunft und eigentlichen Beruf sieht man jederzeit durchschimmern, spätestens wenn die erste Hand zerfetzt wird und es einfach grandios aussieht. Realistisch und fies. Was sich mit der absurden Idee und den comichaft überzogenen Figuren beißen könnte, für meinen Geschmack allerdings eher ein schönes Gegengewicht ergibt. Ein wenig erinnert mich die Gruppendynamik der Mädels sogar an „The Descent“ - nur eben in einer völlig bizarren und weniger ernst zu nehmenden Lage. Das Ding geht nach vorne, das Ding macht keine Gefangenen und wenn man auf Funsplatter ala „Dead Snow“ oder der zweiten Hälfte von „From Dusk Till Dawn“ steht, dann ist man hier richtig. Bier und wenn möglich Gleichgesinnte nur nicht vergessen. Der durchgeknallte Coach war ein zusätzlicher Szenendieb und der Soundtrack kennt ebenfalls nur Vollgas. Abgesehen vom blöden singenden Cowboy, der auf das kommende Massaker vorbereiten soll. Sicher zieht nicht jeder Joke, sicher wirkt das Ende etwas abgeschnitten und plötzlich, sicher gibt es auf den ersten Blick sympathischere Girls und natürlich muss man in der richtigen Stimmung sein - doch dann kann das ein augenzwinkernd-feministischer Schmetterball sein, den man liebend gern in die Fresse kriegt!
Fazit: jetzt traut sich Netflix sogar an „originalen“ Trash. Oder kauft ihn zumindest auf. Genau das, was die Prämisse verspricht. Flach und fun, feministisch und furios. Ein blutig-bekloppter Mitternachtswachhalter. Mit starken Goreeffekten! Für den hohlen, herausgerissenen Zahn.