Review

Stop-(E)Motion-Weirdo


Klar, Robert Zemeckis ist (noch immer) ein großer Name in Hollywood, gerade wenn es um CGI-Experimente und technische Innovationen geht. Dennoch ist seine Hochzeit natürlich schon lange vorbei und es wundert mich, wie ein Film wie „Welcome To Marwen“ mit diesem Budget, Thema und einer bestimmt sehr kleinen Zielgruppe noch grünes Licht bekommen konnte. Da ist ein Minus in den Kassen quasi vorprogrammiert. Was jedoch natürlich nicht die Qualität und den Mut des Projekts schmälert. Ganz im Gegenteil. Dennoch kratze ich mir bei sowas immer etwas am Kopf. Denn erzählt wird von Männern, die auf Highheels laufen, von Nazis gegen Puppen, von psychischen Problemen und brutalen Traumatas, von Gewalt gegen Andersartige und Pillensucht… Klingt nicht nur bizarr, sondern ist es auch. Aber ganz süß eigentlich. 

Ich spiel' halt gern mit Puppen! 

„Welcome To Marwen“ behandelt geistige Krankheiten, Probleme, Ängste, Besonderheiten endlich mal anders als das typische Oscarfutter aus der Traumfabrik. Das rechne ich ihm hoch an und das macht im Zusammenspiel mit den Puppen und (beabsichtigt) trashigen Kriegsspielchen fast Spaß. Wenn man das bei dem Thema sagen darf. Carell zeigt einmal mehr, dass er es auch ernster und mit Anspruch kann. Die Effekte sind beeindruckend, besonderes und anders. Absichtlich unrund zum Teil und passend zum berührenden Thema, bei dem es allerdings recht wenig ausmacht, dass alles auf wahren Begebenheiten beruht. „Sucker Punch“ trifft „Barbie“. Das passt auch zu Zemeckis künstlichem Stil viel besser als nahezu alles aus seinen letzten Jahren an Realfilmen. Die ausgiebige Songauswahl wirkt vielleicht etwas aufgesetzt und satte zwei Stunden hätte er meiner Meinung auch nicht unbedingt ausreizen müssen. Zudem ist Leslie Mann (wie meist) nervtötend, von ihrer Stimme bis zu ihrem Auftreten. Aber insgesamt hat das Projekt an vielerlei Stellen meinen Respekt. Und die schiesswütigen und sehr ansehnlichen Püppchen (u.a. Janelle Monae) sind natürlich nett anzusehen. 

Fazit: mutig, seltsam, süß und endlich mal wirklich passend zu Zemeckis' CGI-Style - „Welcome To Marwen“ findet seinen sehr eigenen Weg zur Darstellung und Aufarbeitung von Trauma und Andersartigkeit. Positiv! 

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