Review

Unvergesslich!


Mit seiner technisch/restauratorisch neuartigen und herausragenden Doku-Collage „They Shall Not Grow Old“ hat Peter Jackson Großes vollbracht. Er bringt einem Bilder, die ein Jahrhundert alt sind und die wir alle schon dutzendfach in Dokus und Museen gesehen haben, näher, als wir es je für möglich gehalten haben. Immer etwas artifiziell, künstlich, verträumt, aquarellartig und distanziert - und dennoch so nah, wie man dem ersten Weltkrieg heutzutage nur kommen kann. Das ist meist schwer zu ertragen, manchmal schmerzhaft, manchmal sogar witzig, oft unheimlich und immer berührend und lohnenswert. Und selten hat man nach einem Film mehr verstanden und gefühlt, wie sinnlos und schmerzhaft Krieg ist, dass wir ALLES dafür tun sollten, dass sich so etwas niemals mehr wiederholt. Dass der Mensch endlich damit aufhören muss und aus seinen unwiederbringlichen Verlusten und bösen Fehlern lernen muss. Egal wie schwer und fast unmöglich das auch, in einer derart aufgewühlten und vielfältigen Welt, erscheinen mag.

„They Shall Not Grow Old“ hat mich Krieg mit komplett neuen Augen sehen lassen. Und das muss man erstmal schaffen, nach dutzenden Erzählungen und Schilderungen der Großeltern und natürlich unzähligen Filmen des Kriegsgenres. Ich hatte Tränen in den Augen, Wut im Bauch und Angst im Nacken. Da kommt kein „Saving Private Ryan“, kein „Hacksaw Ridge“, kein „Paths of Glory“ mit. Peter Jacksons private Beziehung zu den Gefallenen und Überlebenden, sein tiefgehendes Interesse an ihren Schicksalen und den unbeschreiblichen Gefühlen zwischen Schützengräben und Donnerbalken, sind in jeder Sekunde spürbar. Anonyme Stimmen aus dem Off, eine Masse, anfangs voller Hoffnung, Mut und Kraft, am Ende für immer gezeichnet und geprägt. Oder eben zum Großteil ausgelöscht. Diese Augen, diese gedrungenen Lächeln, diese zerschossenen Leichen und diese pure Enttäuschung und Erfahrung in den Stimmen - alles Dinge, die mich sicher noch lange beschäftigen werden und die ich nie vergessen werde. Zum Glück. „They Shall Not Grow Old“ gehört in den Schulunterricht und die Filmgeschichtsbücher, ähnlich wie „Shoah“ und „Nacht und Nebel“. Jacksons Großvater ist mit Sicherheit stolz. Eine Benchmark für die Ewigkeit und zusammen mit „Apollo 11“ sicher die Doku, die man dieses Jahr einfach nicht verpassen darf!

Fazit: nicht nach normalen Kriterien zu bewerten. Klar und hell und augenöffnend. Gesichter, die man nicht vergisst. Jugend, tragisch verloren. Krieg, nah wie nie. Unschuld, für immer zerstört. Veteranen, denen wir auf ewig dankbar sein sollten. Ein Denkmal für eine ganze Generation, für alle Soldaten (des ersten Weltkriegs). Ein Mahnmal für den Frieden. Denn es gibt nichts Wertvolleres. Eindringlich und unbeschreiblich. Eine wertvolle, (positiv) gespenstige Errungenschaft! 

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