Produzenten überlegen sich mittlerweile zweimal, ob sie mit Johnny Depp drehen, da das Risiko eines Kassenflops nicht unerheblich ist. Das dürfte weniger an seinen privaten Eskapaden liegen, denn der Mann verschlingt schlichtweg viel Geld, - selbst ein Sound Assistent wurde ihm für vorliegende Tragikomödie zur Verfügung gestellt. Und die bietet bei einem Thema wie den nahenden Tod natürlich kein Popcornfutter wie eine xte Fortsetzung zu „Fluch der Karibik“.
Englischprofessor Richard (Depp) erhält die erschütternde Diagnose von Lungenkrebs, der bereits streute. Ohne Therapie bleiben ihm maximal sechs Monate. Er beschließt sein Leben umzukrempeln und die Freuden des Lebens zu forcieren, während er die Krankheit vor seiner Familie geheim zu halten versucht…
Richard ist gar nicht mal so extravagant, sondern viel bodenständiger, viel ruhiger als man es im Kontext mit einem halben Jahr verbleibender Lebenszeit vermuten könnte. Er bleibt den meisten gesellschaftlichen Konventionen treu und verlässt sein soziales Umfeld nur geringfügig, indem er flüchtige Bekanntschaften knüpft, vorzugsweise weiblicher Natur.
Obgleich er trinkt, Tabletten einwirft und Drogen konsumiert, wirft er nicht alles über den Haufen, er betäubt sich nur bis zu einem gewissen Maß. Er filtert seinen Kurs radikal durch, was inhaltlich ein wenig an „Club der toten Dichter“ erinnert: Er will lieber wenige Schüler mit Enthusiasmus als viele uninteressierte Mitläufer.
Vieles bleibt unausgesprochen und bedarf auch keiner größeren Worte, denn trotz zerrütteter Ehe und dem offensichtlichen Fremdgehen seiner Frau (Rosemarie DeWitt) wird eine Form von Versöhnung angestrebt und auch dem besten Freund (Danny Huston) wird in so mancher schwerer Stunde gedankt, - zuweilen etwas zu ausführlich und melodramatisch.
Anderweitig stichelt Richard gegen jene, die dem Streben nach Glück ein wenig im Weg stehen, was zuweilen in lakonischen bis tiefschwarzen Humor mündet. Nur selten ergeben sich dadurch unangemessene Situationen (Kellnerin, Student mit Haschkeksen).
Allerdings neigt der Stoff zusehends dazu, eine Art formvollendete Erlösung zu präsentieren, die letztlich ein wenig ins Kitschige abdriftet. Hier ereignet sich nichts unerwartetes, es kommt zu keinem großen Knall und letztlich fühlt sich die Geschichte weit weniger aufregend an, als zu Anfang noch erwartet.
Natürlich reißt Depp mit seiner Performance erwartungsgemäß alles an sich, obgleich einige überzeugende Mimen mitmischen. Allerdings nicht in der fast schon gewohnt überzogenen Art wie ein Jack Sparrow, sondern weitaus nuancierter und zurückhaltender. Oft sind es Kleinigkeiten, kleine Gesten, ein Augenschlag oder ein wehmütiger Blick, welche die Klasse des Mimen offenbaren. Aber auch die Darbietungen von DeWitt, Danny Huston und Zoey Deutch als charmante Studentin sind gewinnbringend.
Mit seinem zweiten Spielfilm versucht Regisseur Wayne Roberts eine Art Rundumschlag hinsichtlich nachdenklich stimmender Diagnosen. Da schwanken Aussagen zwischen Küchenpsychologie und philosophischer Ambivalenz, doch für entsprechenden Tiefgang hätte er vielleicht in einige Szenen mehr, denn auf eine eher oberflächlich gehaltene Abschlussrede setzen sollen. Dennoch eine nicht uninteressante Erfahrung mit einem überzeugendem Ensemble und einigem, was man eher zwischen den Zeilen mitnehmen kann.
6,5 von 10