Review

iHaveCNit: Verschwörung (2018)

Stieg Larssons „Millenium-Trilogie“ wurden zu Bestseller-Büchern, die selbstverständlich im skandinavischen Raum durch Niels Arden Oplev und Daniel Alfredson mit Noomi Rapace und dem leider verstorbenen Michael Nyqvist in den Hauptrollen zu einer filmischen Trilogie umgewandelt worden sind. Für Noomi Rapace und Michael Nyqvist war das auch ein Durchbruch in internationale Gefilde. Der internationale Einschlag war so groß, dass es nicht lange dauerte, bis Hollywood unter dem Thrillerexperten David Fincher mit Rooney Mara und Daniel Craig ein unglaublich tolles Remake des ersten Films „Verblendung“ geschaffen haben, der für mich sogar noch näher an der Romanvorlage gewesen ist als es das Original war. Schade, dass man hier nicht angesetzt hat und sich noch an „Vergebung“ und „Verdamnis“ gewagt hat und natürlich nun einige Zeit ins Land gegangen ist während nach Larssons Tod unter dem Schriftsteller David Lagercrantz ein 4. Band namens „Verschwörung“ veröffentlicht wurde. Und dieses Buch ist nun die Grundlage für den neuesten Film, der vom gefeierten Regisseur Fede Alvarez (der das „Evil Dead“-Remake und „Don´t Breathe“ inszeniert hat) inszeniert wird. Als Hauptdarsteller sehen wir hier Claire Foy und Sverrir Gudnasson in den Rollen der verletzlichen, aber hochintelligenten Hackerin Lisbeth Salander und des Investigativjournalisten Mikael Blomkvist. Aktuell bin ich ja dabei auch die Romanvorlage zu lesen und muss sagen, dass sich dieser Film offenbar gegen seine Vorlage verschworen hat. Denn anstatt uns einen extrem abgründigen Thriller mit Tiefgang zu liefern bekommen wir hier einen relativ oberflächlichen und austauschbaren Actionthriller geboten.

Der renommierte schwedische IT-Wissenschaftler Frans Balder hat an einer brisanten Software gearbeitet, an der einige Parteien interessiert sind. Er beauftragt Lisbeth Salander mit der Beschaffung dieser Software, doch es geht einiges vor der Übergabe schief, Balder wird ermordet und nun befindet sich Lisbeth auf der Jagd nach einer unbekannten Verbrechergruppierung, die einen Bezug zu Ihrer eigenen Vergangenheit zu haben scheint, während sie Balders Sohn August beschützt. Hilfe bekommt sie hierbei von Mikael Blomkvist.

Also manchmal habe ich mich gefragt ob ich wirklich gerade das gleiche lese, wie das, was ich mir da gerade auf der Leinwand ansehe. Ich glaube sogar, dass sich im Buch in den letzten knapp 250 Seiten, die ich noch zu lesen habe, das auch nicht wirklich ändern wird. Denn wie man sich hier die Romanvorlage zurechtgebogen hat um einen platten und austauschbaren Actionthriller zu drehen, der mehr von der Essenz eines James-Bond-Films, eines Mission-Impossible-Films oder auch stellenweise wie ein Batman-Film hat anstatt der Essenz der Romanvorlage zu folgen und auch den Charakteren von Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist die entsprechend notwendige Tiefe und Ambivalenz sowie dem Plot eine Abgründigkeit zu geben, die wenn überhaupt nur im geringen Umfang angedeutet wird. Mir stößt auch sauer auf, wie man hier einen Schlüsselcharakter darstellt. Claire Foy gibt sich im Rahmen der ihr gegebenen Möglichkeiten Mühe, das Beste aus dem Charakter der Lisbeth Salander zu machen, während Gudnassons Blomkvist absolut überflüssig ist und nur deswegen da ist, weil er da sein muss. Insgesamt hat der Film den Charakter von Lisbeth absolut falsch verstanden und macht sie zur Superheldin, was der Charakter jedoch nie gewesen ist. Über den Rest der Charaktere will ich hier nicht weiter sprechen. Und der Aufbau des Films nimmt ihm auch sehr viel von der Spannung, weil der einigermaßen mündige Zuschauer bereits einige Wendungen vorwegnehmen kann. Aber insgesamt ist der Look des Films und auch die gebotene Action sehenswert genug um daraus einen wenn auch relativ anspruchslosen Actionthriller im Kinoformat zu bekommen.

„Verschwörung“ - My First Look – 6/10 Punkte.

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