VERSCHWENDUNG
In Jimmy Fallons TONIGHT SHOW gibt es eine Rubrik, in der Kinder kurze Drehbücher für Filme schreiben, nur auf Basis des Titels. Bei der mittlerweile fünften Verfilmung eines Lisbeth Salander-Romans hat man ständig das Gefühl, das Drehbuch sei von einem 12-Jährigen verfasst worden. Das aus Fallons „Kid Theater“ wäre aber sicher unterhaltsamer gewesen.
Man muss bei der Besprechung dieses Films mit dem Drehbuch anfangen und es spricht nicht gerade für die amerikanische Filmkritik, dass sie diesen Aspekt weitgehend ausgespart und sich stattdessen mehr auf die Oberfläche konzentriert hat. Denn THE GIRL ist so hanebüchen zusammengeklopft, lebt so derart von Zufällen, dass man als mitdenkender Zuschauer nach wenigen Minuten raus ist und sich nicht mal an der slicken Optik erfreuen kann. THE GIRL ist ein billiger Spionagethriller, der teuer aussieht und ein sehr dummer Film, der Cleverness vortäuscht.
Fede Alvarez hat mit seinem okay EVIL DEAD Remake und seinem spannenden DON’T BREATHE gezeigt, dass er Thrills und Schauwerte beherrscht, hier scheinen entweder die Produzenten schuld oder das Budget mit ihm durchgegangen zu sein. Und auch Claire Foy ist an und für sich eine gute Schauspielerin, als Lisbeth Salander jedoch eine massive Fehlbesetzung. Man merkt ihr fast in jeder Szene an, wie unwohl sie sich fühlt und wie wenig sie mit der Figur anfangen kann.
Das Ergebnis ist prätenziöse Pose statt echter Abgefucktheit. Da der Film auch an den Kassen floppte, ist anzunehmen, dass das offensichtlich geplante Salander-als-James-Bond-Franchise zunächst mal gestoppt wird und man in ein paar Jahren mit dem nächsten „Reboot“-Versuch rechnen muss.