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Stockholm: Die Hackerin Lisbeth Salander agiert immer noch unter dem Radar in Sachen Selbstjustiz und hat gerade erst wieder einen wohlhabenden Geschäftsmann aus dem Verkehr gezogen, der seine Ehefrau misshandelt hat. Kurz darauf wird sie von dem Informatiker Frans Balder kontaktiert, der für den amerikanischen Geheimdienst ein Programm namens "Firefall" entwickelt hat, mit dem man online auf sämtliche Nuklear-Waffensysteme der Welt zugreifen kann. Lisbeth gelingt es mit ihren krassen h4X0r-Skillz, "Firefall" vom Zentralrechner der NSA wiederzubeschaffen, aber kurz darauf gerät sie selbst ins Visier einiger zwielichtiger Gestalten, die über Leichen gehen, um die Datei in die Finger zu kriegen. Nachdem Balder sich eine Kugel eingefangen hat, ist Lisbeth mit dessen authistischem Sohn August auf der Flucht, der als einziger in der Lage ist, das Sicherheits-Passwort zu knacken, mit dem sich "Firefall" aktivieren lässt. Schließlich kommt heraus, dass ihre totgeglaubte Schwester Camilla hinter der ganzen Sache steckt, die ebenso wie Lisbeth als Kind von ihrem Vater missbraucht wurde und sich nun an ihr rächen will, weil sie sie damals im Stich gelassen hatte... Nach David Finchers finanziell (aber nicht qualitativ!) unter den Erwartungen gebliebener US-Variante von "Verblendung" hat man sich amerikanische Versionen der beiden anderen Teile von Stieg Larssons Millennium-Trilogie "Verdamnis" und "Vergebung" gespart und ist direkt zu "Verschwörung" weitergesprungen, dessen Roman-Vorlage da als Nachklapp von David Lagercrantz erst lange nach dem Tod des ursprünglichen Autors erschienen ist. Die überragende Güte der Fincher-Adaption, die auch den über Gebühr hochgejubelten Originalfilm weit in den Schatten stellt, erreicht "Evil Dead"-Remake-Regisseur Fede Alvarez natürlich keinesfalls... und auch mit dem zugrunde liegenden Buch kann man sowohl was den Inhalt als auch die Veröffentlichung an sich anbelangt, durchaus so seine Probleme haben, auch wenn ich persönlich eine Fortsetzung bestenfalls mäßiger Trivial-Literatur unter fremder Feder aus reinweg finanziellen Erwägungen jetzt nicht unbedingt als Frevel oder Sakrileg betrachte. Nun ja, soviel dazu, kommen wir zur Verfilmung: Die Auswechslung des Personals hinter wie auch vor der Kamera (Claire Foy und Sverrir Gudnason statt Rooney Mara und Daniel Craig) sowie die mit der Abkehr von einer klassischeren Detektiv-Storyline einhergehende, stärkere Gewichtung auf kinowirksame Action statt auf kühlen, nordischen Thrill hat dem Stoff an sich nicht gut getan. Ob das Ganze nun wirklich eine echte Fortsetzung zu "Verblendung" von 2011 sein soll oder man es hier nach sieben Jahren nur mit einem Reboot-Versuch zu tun hat, wird da allerdings nie so genau definiert, zumal man, was die Beziehung zwischen Salander und Blomkvist (der dieses Mal übrigens ziemlich weit in den Hintergrund gerückt wird) anbelangt, in medias res geht... einen Hinweis liefert da lediglich das markante Drachen-Tattoo der Hauptfigur, das nun ein neues (hässlicheres) Design aufweist. Klar, auch für Regisseure von einem gänzlich anderen Kaliber wäre es da schwer gewesen, in die Fußstapfen eines David Fincher zu treten, weswegen man von einem schlichten Epigonenfilmer wie Alvarez dann auch nicht viel mehr erwarten sollte, als den vorgegebenen visuellen Stil nachzuäffen, ein paar hübsche Bild-Kompositionen zu arrangieren und die oberflächlichen Spannungs-Momente einigermaßen solide zu händeln. Den Figuren an sich, deren Tiefe da zuvor wesentlich gekonnter ausgelotet wurde, wird er jedoch nicht gerecht, auch wenn da für die Protagonistin nun der traumatische familiäre Background inklusive einer bislang nicht erwähnten Schwester nachgereicht wird, wovon man allerdings auch nicht unbedingt begeistert sein muss. Das alles passt dann auch prima zu dem Versuch des Produktions-Studios Sony, hiermit eine eigene Action-Thriller-Franchise zu starten... mit Lisbeth Salander als weiblichem, edgy Jason Bourne-Verschnitt. Nun ja, das noch weitaus enttäuschendere Einspiel-Ergebnis an den weltweiten Kinokassen als bei Fincher hat diesem Vorhaben schnell einen Riegel vorgeschoben, soviel dazu. Dabei ist "Verschwörung" an und für sich betrachtet doch eigentlich gar kein schlechter Film: Die Optik ist angemessen düster, der generische 90s-Plot rund um üble Computer-Programme und Hacker-Gedöns (bei dem allenfalls einige Drehbuch-Doofheiten störend auffallen) überfordert die kleinen grauen Zellen nicht, das eine oder andere Set-Piece ist durchaus exciting geraten und ein paar milde Brutalitäten und den üblichen sexuellen Missbrauch am Rande gibt's gratis auch noch obendrauf... nur die Kuh Lisbeth Salander gibt halt wie's aussieht leider keine Milch mehr. Und trotzdem ist dieser seelenlose Hollywood-Neuaufguss irgendwie doch besser als die populären, aber schwachen Streifen mit der Rapace...

6/10

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