Die Mutter, die Löwin...
Halloween H20 - Onkel Michaels ungestillte Lust nach Teenagern
Wie lebt der Mensch mit seiner Angst? Die Psychologie differenziert für das Persönlichkeitskonstrukt des ängstlichen Menschen zwischen zwei Strategien: der Sensitization, der offensiven Bewältigung, der Konfrontation mit seinen Ängsten und der Repression, dem meist zum Scheitern verurteilten Versuch, angstauslösende, emotional negativ assoziierte Reize und Situationen nach Möglichkeit zu meiden. Oft geht diese Repression einher mit der Flucht in Alkohol und andere Drogen.
20 Jahre nach den traumatischen Ereignissen jener Halloweennacht, in der der Psychopath Michael Myers Jagd auf seine Schwester, die Teenagerin Laurie Strode, gemacht hat, leitet diese, gegenüber ihrer Umwelt sehr souverän auftretend, ein kalifornisches Eliteinternat. Von den Alpträumen, die sie häufig heimsuchen, von ihrem starken Bedarf an Beruhigungsmitteln und ihrem Alkoholproblem weiß nur John, ihr siebzehnjähriger Sohn, warum sie sich und auch ihn aber immer noch vor diesem Phantom ihrer Vergangenheit versteckt, warum sie immer noch in steter Angst lebt, besonders dann, wenn die ausgehöhlten Kürbisköpfe auf den Fensterbänken das Nahen Halloweens verkünden, kann er nicht nachvollziehen. Die Ängste seiner Mutter beginnen die Beziehung der beiden zunehmend zu belasten. John ist es leid, sich aufgrund irrational scheinender Ängste in einen goldenen Käfig sperren zu lassen, glaubt seine Mutter allmählich dem Wahnsinn nahe - Onkel Michael wird ihn eines Besseren belehren.
Halloween 1998, gerade ist John 17 geworden. Siebzehn Lenze, so wie Michaels ältere Schwester, die er fünfzehnjährig im Jahre 1963 aufgeschlitzt hat, so wie damals Laurie, Johns Mutter, die er 1978 jagte. Und obwohl unklar bleibt, welche magische Relevanz dieses 17. Lebensjahr für den unverwüstlichen Killer haben mag, beginnt die blutige Hatz unmittelbar nach Johns Geburtstag nun aufs Neue. Und Laurie hat nun endlich Gelegenheit, sich ihrer erneut manifestierten Angst entgegenzustellen - Hardcore Sensitizement.
Regisseur Steve Miner, der als Regisseur des zweiten und dritten Teils der Freitag der 13.-Reihe sehr wohl zu den Veteranen des Genres gezählt werden darf, setzt in diesem definitiv letzten Teil der Halloween-Saga (- das glaubte ich damals, als ich diese Rezi geshreiben habe, wirklich!!!), der gespickt mit Zitaten des Originals und Referenzen an Streifen wie Psycho und Hellraiser gleichzeitig eine Hommage an Carpenter und auch den Horror-Film generell ist, weniger auf Bodycount als auf nervenaufreibende Spannung. H20 ist routiniert inszeniert, wird dem Original bei weitem besser gerecht als die Teile 4-6 (der 3. Teil sei aufgrund vollkommen unterschiedlicher Thematik ausgeklammert), leidet aber dadurch, daß er für ein breites Publikum konzipiert, also daß in den Staaten ein P17-Rating angestrebt wurde, an akuter Blutarmut. Auch sind die Morde bis auf eine „Schlittschuh in der Fresse“-Exekution nicht sonderlich originell. Und wenn Jamie Lee Curtis ihrem Bruder und Erzfeind dann im Finale auf doch recht unspektakuläre Weise ein für allemal das Licht ausbläst, wünscht man sich fast, dies sei doch nicht die ultimative Fortsetzung und man könnte Myers noch einmal sterben sehen. Kann man aber nicht. Aus. Schluß. Und vorbei. (Und denkste!! – Nachtrag 2004)