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„Halloween H20“ bringt die Saga um Michael Myers in die siebte Runde und knüpft inhaltlich vor allem an die ersten beiden Filme der Serie an.
Das merkt man daran, dass von Teil 3 bis 6 eigentlich nur erwähnt wird, dass Dr. Loomis das Zeitliche gesegnet hat, aber keltische Wurzeln für Michaels Treiben oder die Nichte aus Teil 4 und 5 bleiben gänzlich unerwähnt. Lediglich Marion Chambers Whittington (Nancy Stephens), die Unterlagen über Michael Myers und die Geschehnisse von damals hat, taucht als Nebenfigur noch mal auf und darf in der spannenden Pre-Credit-Sequenz nebst zwei Jungen von Michael verhackstückt werden.
Damit hat Michael alle Informationen über sein Lieblingsopfer, seine Schwester Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), die sich nach den Ereignissen der Vorgänger zurückgezogen und ihren Tod vorgetäuscht hat. Inzwischen leitet sie ein Internat, hat einen neuen Lover und muss doch in Alkoholismus flüchten, um halbwegs mit den Geschehnissen von damals fertig zu werden. Nebenbei werden da auch noch ein paar Nebenfiguren als potentielles Kanonenfutter sowie die Schule baldiger Spielplatz für Psychopath und Opfer eingeführt.

Der Tag, an dem Michael in die Schule eindringt, ist natürlich der 31te Oktober, Halloween. Die meisten Kinder und Lehrkräfte sind zu einem Ausflug nach Yosemite, neben Laurie sind nur noch ein paar Teenager anwesend, die unentdeckt eine Privatparty feiern wollen – unter ihnen auch Lauries 17jähriger Sohn John (Josh Hartnett)…
Wenn man Drehbuchautor Kevin Williamson, der ja auch für „Scream“ verantwortlich war, eines attestieren kann, dann ist es Kenntnis des Stoffes: Sehr dicht wird an die ersten beiden Filme angeknüpft, Dr. Loomis’ Charakterisierung von Michael als dem absolut Bösen wird aufgegriffen. Gleichzeitig wird die Saga konsequent zu Ende erzählt, aber auch das hielt niemand von Teil 8 ab. Hinzu kommen kleine In-Jokes wie der Auftritt von „Psycho“-Star Janet Leigh, die als Sekretärin Laurie quasi mütterlich berät und in der Realität ja Jamie Lee Curtis’ Mutter ist.
Zusammen mit Regisseur Steve Miner, der mit „Und wieder ist Freitag, der 13te“ das wohl beste Freitag-Sequel dreht, erweist sich Williamson als guter Spannungserzeuger: Die Mordszenen sind ziemlich spannend in Szene gesetzt, falsche Fährten und Schockeffekte verunsichern und erschrecken den Zuschauer. Der Härtegrad ist gar nicht mal ohne, lediglich die Opferzahl bleibt etwas gering. Gut, der Bodycount des ersten Films war noch kleiner, aber der hatte dafür jene nervenzerfetzende Spannung, die „Halloween H20“ eben nicht ganz hat.

Grund dafür, dass „Halloween H20“ nicht so spannend wie der erste Teil der Serie ist, ist der Part zwischen Credits und Michaels Eindringen. Die Charaktere werden eingeführt und sind nicht so stereotyp wie in anderen Horrorfilmen, Michael beobachtet die potentiellen Opfer, aber das Ganze erreich nie den Nervenkitzel des brillanten Originals, da Michael zu sehr auf Distanz bleibt (im ersten Teil latschten ihm die arglosen Charaktere ja beinahe auf die Füße). Zudem beschattet Mr. Myers deutlich weniger emsig als im Original, sodass keine stetige Aura der Bedrohung wie dort entsteht.
Dafür kann man schauspielerisch nicht viel meckern. Vor allem Jamie Lee Curtis verweist auch im Erwachsenenalter viele andere Scream-Queens auf die Plätze, egal ob es um Kreischerei oder Schauspielkunst geht. Josh Hartnett ist ziemlich farblos, ebenso wie Michelle Williams und das restliche Jungvolk, aber weitaus besser als die Totalausfälle anderer Horrorstreifen. LL Cool J als Wachmann mit Romanschreiberallüren ist in Ordnung, Alan Arkin ebenfalls recht gut.

Neben „Halloween 2“ ist Teil 7 der Saga sicherlich die beste Fortsetzung des brillanten Originals. Zwar nicht ganz so packend, aber dennoch ziemlich spannend und ohne große Längen.

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