Das ist er, der bisher einzig wahre, qualitativ akzeptable Nachfolger zu Carpenters Kultklassiker von 1978. Mag die Kritik auch geteilt sein, so ist doch zu bemerkten, daß Drehbuchautor Robert Zappie seine Hausaufgaben recht gut gemacht hat und Genre-Regisseur Steve Miner inzwischen über den Handwerker-Status hinausgewachsen ist.
Was man hier nicht erwarten darf, sind wahnsinnige Innovationen. Als H20 produziert wurde, tanzte bereits die ganze Welt auf der neuen Scream-Welle, da durfte man nicht zurückstehen. Und doch schafft es Miners Film, alle Vorgaben des Carpenter-Scripts einzuarbeiten, die Mechanismen zu verstehen und zu übernehmen ohne sie zu kopieren und noch dazu reichlich augenzwinkernde Szenen einzubauen, die das ausgelutschte Genre aufpeppen.
Wie geht das also? Erst mal: man ignoriere größtenteils die Halloween-Filme 3-6, wobei die vielleicht stattgefunden haben können, aber hier keine Erwähnung finden. Fakt ist: Dr.Loomis ist inzwischen verstorben, ebenso wie sein Darsteller, doch die Unterlagen über den Fall Laurie Strode lagern bei der guten alten Krankenschwester aus Teil 1 und 2, die auch gleich das Startopfer mimt. Daß Nurse Marion dran glauben muß, hat zwar vielen nicht gefallen, die Pre-Title-Sequenz gibt jedoch gleich die Richtung vor: wir killen hier Teenager und bauen auf das Original!
Die Vortitel informieren uns dann ausgiebig über die Ereignisse von 1978 und siehe da, auch Carpenters Titelthema is back, sogar fast unverändert, was doch sehr erfreulich ist.
Für den Restfilm baut das Buch dann auf bekannte Bilder, die er erfreulich neu und frisch anordnet. Laurie heißt jetzt anders und macht nach 20 Jahren immer noch auf Panik. Ihr Sohnemann (ein prä-Pearl-Harbor-langgesichtiger Josh Hartnett) hat davon die Schnauze voll und will mit "Dawsons Creek"-Bratze Michelle Williams lieber poppen und Party machen. Jamie Leigh ist frisch verliebt und logo, glaubt jeder, daß Michael inzwischen ein knuspriger Chicken McNugget ist und ein toter noch dazu. Was brauchen wir noch? Klar: reichlich beengten Raum. Ort der Handlung also: eine abgeschlossene Privatschule leicht fernab von der Zivilisation.
Ergänzend noch ein Teenagerpärchen als Zwischendurchhappen und als Comic Relief einen romanschreibenden Torwärter (LL Cool J in der einzigen unpassenden Rolle hier). Auf ins Getümmel.
Und das Skript und damit erfreulich knappe und rasend gut gefüllte 85 Minuten kommt ins Rollen. Michael nähert sich langsam an und Miner setzt erfreulicherweise auf Suspense und nicht auf das ewig im Hintergrund stehende Maskenface. Natürlich ahnen wir, daß die Party in Blut und Schreien ersäuft, doch das hier ist kein Häckselcheapie, sondern Fortsetzung und Hommage zugleich.
Und kleine Aufmerksamkeiten fliegen uns um die Ohren. In der Klasse wird wieder übers Schicksal diskutiert (wie in Teil 1), Williams erblickt den Killer aus dem Fenster (dito), im Fernsehen läuft "Scream 2" und als Sahnehäubchen gibt es die Rolle der Nora. Die spricht in einer wunderbar geschriebenen Szene "mütterlich" zu Jamie Leigh, und sie darf das, schließlich ist sie auch im wahren Leben ihre Mutter. Als die Szene endet und Janet sich verabschiedet, geht sie auf einen alten Wagen zu, der exakt dasselbe Modell ist, daß sie als Marion Crane in Hitchcocks "Psycho" gefahren hat, ehe sie eine finale Dusche nahm. Und für einen winzigen Moment flechtet der Score das Psycho-Drive-Thema in das Halloween-Theme ein, ehe es die alte Melodie wieder aufnimmt.
Dann gibt's die zweite (oder dritte) Nacht des Grauens und Miner kommt endlich zum Blutgehalt. Dankbarerweise gibt es weder allzu schlechte Fülldialoge, noch ist die Sequenz zu lang gehalten worden, um Nicht-Fans aufstöhnen zu lassen. Suspense, Panik, Dramatik und einiges an Blut, schnell und flüssig abgehandelt, garniert mit der visuell angenehmsten Halloween-Hommage, in der eine Leiche als ausgehöhlter Kürbis dient. Nach dem Slashen wird geflüchtet und auch hier gibt's (mal abgesehen von der abgedroschenen Ich-finde-nicht-den-richtigen-Schlüssel-Idee) flottes Gerenne mit reichlich geschwind abgehandelter Messerschwingerei. Jamie rettet die Kinder und schickt sie die Straße runter zum nächsten Haus (siehe Teil 1) und macht sich dann auf zum terminalen Endkampf. Hart und knackig, Axt gegen Messer, ein guter Fight, wobei ein schöner Gag die Idee ist, Jamie um ein Haar wieder in einen Schrank rennen zu lassen. Aber sie kommt zum Glück selber drauf.
Und wir halten uns auch nicht mit der Dämlichkeit auf, Michael für tot zu halten, als es ein Arzt feststellt. Im Gegenteil, wir setzen noch einen drauf, diesmal endgültig.
H20 ist ein richtig kurzweiliges Vergnügen, schnell, ironisch, nicht allzu laut und überraschend hart, ohne im tiefsten Gore-Gesumpf versinken zu müssen. So eine Fortsetzung hätte Carpenter sicher gefallen. Und das sollte sie auch allen, die den Original-Halloween mochten.
Apropos Fortsetzung: die soll es trotz des Endes natürlich trotzdem geben, weil der Michael hier nur ein Nachmacher sein soll? Hmmm, zwei unverwüstliche Killer, die diverse Messerwunden, Stürze und Autoüberrollungen problemlos überstehen? Laßt gut sein, Teil 1,2,7 und Schluß. Ein guter Schluß. (8/10)