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Ein Film, an dem sich die Geister scheiden. Für die einen die lang ersehnte Rückkehr der wahren Geschichte des stummen Maskenmannes, der nach 20 Jahren seine Schwester aufgespürt hat, die ihren Tod vorgetäuscht hatte, um den Fängen ihres verrückten Familienmitgliedes zu entfliehen. Für die anderen die insgesamt sechste und damit völlig überflüssige Fortsetzung des klassischen Halloween. Dieser Film schafft es wie keine andere Fortsetzung die Vor- und Nachteile aufzulisten, die dem Fan die Einschätzung über das Gesehene als entweder geniale, cineastische Kunst, oder als groben, unerhörten Unfug vorgibt. Es ist ganz leicht die Vorteile aufzuzählen, somit kann ich also gleich anfangen. Jamie Lee Curtis kehrt wieder in ihre Rolle der Laurie Strode zurück, die sie Ende der siebziger Jahre zum Star machte, und das muss man ihr einfach hoch anrechnen. Denn wie viele Schauspieler wollen nur all zu gerne die Anfänge, die ihre Karriere einleiteten vergessen, und am liebsten nie mehr darauf angesprochen werden? Und vor allem macht sie diese Rückkehr an die Leinwand zu einem Erlebnis, denn wir erfahren, was aus diesem Mädchen geworden ist, das am Ende des zweiten Teiles noch so hoffnungslos in die Zukunft blickend geworden ist. Und was wir erfahren ist nicht gerade positiv. Gut, sie hat einen gesunden Sohn, der bei ihr lebt und sie ist auf beruflicher Ebene erfolgreich. Sie leitet ein renommiertes Internat im Norden Kaliforniens. Doch was verbirgt sich hinter dieser Fassade? Schon zu Beginn des Filmes wird uns klar, dass wir es mit einer gebrochenen Person zu tun haben. Tablettensüchtig und Alkoholkrank, das ist ihr geblieben, als Preis fürs Überleben. Ein hoher Preis. Nur Curtis schafft es wieder einmal den Charakter der Figur, die nun zwanzig Jahre älter ist, in relativ kurzer Zeit so trefflich zu präsentieren, dass einem schon fast unwohl wird. Sie ist schwach und hat angst. Sie fürchtet sich davor, eines Tages wieder vor ihrem Bruder zu stehen, und ihn erneut bekämpfen zu müssen. Ihm erneut den Kampf ansagen, bedeutet für Laurie, ihre Urangst auszuleben, um dann wieder einen hohen Preis zu zahlen; entweder mit ihrem Leben oder noch viel schlimmer: mit ihrem Verstand. Er ist ständig präsent, sie sieht ihn, sie spürt ihn. Tief in ihrem Inneren weiß sie, dass er die Explosion im Krankenhaus überlebt hat, doch eine Stimme in ihr versucht sie abzulenken, versucht wenigstens ein bisschen die Realität zu erhalten. Doch sie weiß, dass sie sich ihrem Schicksal stellen muss, und sie weiß auch, dass es der Tag ist, an dem vor zwanzig Jahren all die schrecklichen Dinge ihren Anfang nahmen: An Halloween.
Weitere Aspekte, die diesen Film so hervorheben, sind zum einen die massigen Referenzen an andere Horrorfilme; um nur ein Beispiel zu nennen, wäre da Janet Leigh als Norma, die in den gleichen Typ von Wagen steigt, wie damals in Psycho, untermalt mit dessen eindrucksvoller Filmmusik. Oder zum Beispiel der vorangegangene Dialog zwischen Laurie und Norma, ganz ähnlich, wie im klassischen Halloween der Dialog zwischen Laurie und dem Sheriff. Die Mordszenen sind auch teilweise aus den ersten beiden Teilen übernommen worden, wobei das wohl nur den wenigen Zuschauern auffällt, da ja bekanntlich der zweite Teil bei uns immer noch beschlagnahmt ist. Es macht ganz einfach Spaß in diesen Belangen dem Film zu folgen, und sich daran ganz normal zu erfreuen.
Doch der Film trägt ganz offenkundige Nachteile mit sich. Da ist zum einen die sehr kurze Lauflänge, die es einem erscheinen lässt, als ob alles in Rekordzeit abgehandelt werden musste. Das ist schade, denn man wird das Gefühl nicht los, dass es doch schier unmöglich sein kann, dass es Myers in zwanzig Jahren nicht geschafft hat Laurie zu finden, jedoch nun in nur weniger als anderthalb Stunden. Gut, das ist Geschmackssache. Doch ein entscheidendes Manko hebt sich hervor: Michael Myers selbst. Nicht nur, dass die Maske im Film einfach nur kläglich im Vergleich zu den ersten beiden Teilen wirkt, nein, Myers selbst erscheint viel zu klein und schmächtig, als ob er in zwanzig Jahren geschrumpft sei. Außerdem bleibt dem Zuschauer die klassische Ich- Perspektive verwehrt, in Verbindung mit seinem schweren Atmen, die in den ersten beiden Teilen den Reiz an der Figur des Massenmörders ausmachte. Man kann sich nicht mehr in seine Lage versetzen und wird automatisch dazu gezwungen, sich mit der Protagonistin zu identifizieren, und eben nicht mit Myers. Und das finde ich ist der entscheidende Fehler dieser Fortsetzung. Denn ich habe mich in den ersten beiden Teilen mehr mit Michael Myers verbunden gefühlt, als mit irgendeiner anderen Figur. Das Hauptgeschehen wird nicht einmal aus seiner Sicht gezeigt, und das macht diesen Film zu einseitig.
Trotzdem ist dieser Film gut, nicht überragend, aber annehmbar. Er macht das beste, um Halloween in die neunziger Jahre zu versetzen, und setzt auch zum Schluss dem Ganzen ein Ende. Tatsache ist, dass dieser Film eindeutig unter dem „Post- Scream- Syndrom“ leidet, doch das können wir dem Film nicht zum Vorwurf machen. Besonders hervor zu heben ist das Ende des Filmes. Laurie Strode stellt sich ihrem prophezeiten Schicksal und besiegt es. Es scheint vorbei zu sein und das ist auch gut, denn das würdigt im Gegenzug den klassischen Halloween. Es wäre ein guter Abschluss der Reihe gewesen, doch wie wir alle wissen geht der Kampf des Guten gegen das Böse weiter. Wieder mit Laurie und wieder mit Michael Myers.

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