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"Heute Nacht ist Halloween, heute Nacht die Geister ziehen!"


Zwei Jahre nach dem sensationellen Überraschungserfolg von "Scream", der das tot geglaubte Slasher-Genre reanimiert und mit einer Frischzellenkur wieder salonfähig gemacht hatte, und drei Jahre nach dem letzten "Halloween"-Streich, besannen sich die üblichen Verdächtigen von Dimension Films den Erfolg ihrer "Scream"-Reihe auf den Ur-Slasher schlechthin - John Carpenter´s "Halloween - Die Nacht des Grauens" - umzumünzen und der altersschwachen Reihe mit Scream-Queen Jamie Lee Curtis ein würdiges Ende zu verleihen.

Das Ergebnis ist zwar ein hochglanzpolierter Horror-Thriller, der jedoch aufgrund der Mitwirkung von Kevin Williamson (Autor der ersten beiden "Scream"-Teile) wie eine zitatenreiche Reise durch das Genre wirkt und schon allein wegen des fast dreißig minütigen Showdowns zur besten Fortsetzung aller "Halloween"-Sequels gezählt werden darf!

Während Williamson sich auf die Produktion beschränkte und das Drehbuch etwas aufpolierte, nahm Steve Miner die Inszenierung in die Hand, jener Regisseur, der bereits Teil 2 der ebenso legendären Slasher-Reihe "Freitag, der 13." in Szene gesetzt hatte. 
Auch in "H 20" wird in einer kurzen Sequenz auf Jasons Hockeymaske verwiesen und es sind viele solcher Kleinigkeiten, die den Reiz von "H 20" ausmachen und das ist auch gut so, denn zwischen den Slasher-Momenten besticht Miners Werk nicht gerade durch erlesene Dialoge oder eine tiefgründige Dramaturgie. 
Und so sind es die kleinen Verweise auf das Genre, die in den ruhigen Momenten den Zuschauer bei Laune halten und wer bei der vierten, fünften oder sechsten Ausstrahlung genauer hinschaut, wird viele solcher kleinen Winks entdecken.

Ein ganz besonderer Clou ist dabei natürlich die Verpflichtung von Jamie Lee Curtis, die hier ihre erste Hauptrolle als Laurie Strode erneut spielt und gleich in ihrer ersten Szene ihre Qualitäten als Screem Queen bravourös unter Beweis stellt. 
Ihr Part ist es dann auch, der so etwas wie Charakterentwicklung zuläßt, während Josh Hartnett oder Michelle Williams die üblichen Teenie-Klischees erfüllen. LL Cool J ist ebenso deplatziert wie Adam Arkin als Schulpsychologe, der im Grunde nur an Miss Curtis herumsabbert und tiefenpsychologischen Nonsens von sich gibt.
Umso erfreulicher ist der Cast von Janet Leigh, Mutter von Jamie Lee Curtis und das wohl bekannteste Mordopfer der Filmgeschichte: Marion Crane aus Alfred Hitchcocks "Psycho", der als der wahre Ur-Slasher angesehen wird. Ihr Auftritt ist ein direkter Verweis auf Hitchcocks Meisterwerk, wird doch wenige Sekunden lang das Maintheme dieses Klassikers eingespielt, und auch Janet Leighs Auto in "H 20" ist das Modell, welches sie bereits in "Psycho" fuhr. 
Und somit ist der Auftritt von Curtis/Leigh nach "The Fog" bereits der zweite und auch hier ist der Verweis für Fans offensichtlich, denn "The Fog" ist ebenfalls ein Film von John Carpenter, dem die Filmwelt den Original-"Halloween" zu verdanken hat.
In einer weiteren Szene läuft im TV ein Ausschnitt von "Scream 2" womit dann auch der Grundstein für die neue Generation von Slasher-Liebhabern gelegt wird, denn "H 20" ist nicht nur ein Horror-Movie für die alten Fans der Reihe, sondern versucht durch seinen modernen Inszenierungsstil auch viele neue Fans für sich zu gewinnen.

Ansonsten verläuft das Slasher-Spektakel nach den bekannten Konventionen des Genres. Sex und Gore halten sich allerdings im Vergleich zu früheren Teilen stark zurück, während Michael Myers bedrohlich wie eh und je wirkt.
 
"H 20" macht sich auch gar nicht erst die Mühe auf die Teile 4 - 6 der Reihe einzugehen, sondern tut so, als hätten die dort gezeigten Ereignisse niemals statt gefunden. 
Steve Miners Film setzt genau dort an, wo "Halloween II" - die direkte Fortsetzung des Originals - aufhörte. 
In den Anfangs-Credits wird kurz Bezug  zu Dr. Loomis genommen, der aufgrund des Todes von Donald Pleasence in "H 20" nicht mitspielt.
Laurie Strode hat auch 20 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen die Geister der Vergangenheit nicht ablegen können. In einer anderen Stadt leitet sie unter einem anderen Namen eine Privatschule, bis sie am 20. Jahrestag dem unheimlichen Maskenmann erneut gegenüber steht und zum finalen Kampf aufrüstet.

Der gestaltet sich trotz enormer Einsparungen an Filmblut (ein Kehlenschnitt stellt vermutlich die härteste Szene des gesamten Films dar, während die meisten  - nicht zahlreichen - Morde im Off geschehen) als sehr spannend und nervenaufreibend, während Carpenters "Halloween"-Theme leicht abgewandelt für das nötige Feeling sorgt. 
"H 20" hat eine Vielzahl von Schwachstellen und zwischen Einleitung und Finale einen langatmigen Hauptteil, doch die bereits erwähnten Querverweise, die aus den vorherigen Teilen bekannten Stalking-Momente und das Finale reissen es dann raus und beenden die Reihe, wie sie es verdient hat.

Der Erfolg an den Kinokassen sollte diesen würdigen Abgang dann ad absurdum führen und die Fangemeinde mit dem Machwerk "Halloween - Resurrection" schockieren...

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