Nach den nicht so erfolgreichen fünften und sechsten Teil der Halloween-Reihe, die nur in der Fan-Szene Beachtung fanden, plante man für 1998, 20 Jahre nach John Carpenters Original, einen Jubiläumsfilm. Die Idee, Laurie Strode zwanzig Jahre später zu zeigen, stammt übringens von Jamie Lee Curtis selbst. In einem Interview sagte sie, dass sie den Film ihren Fans einfach schuldig sei und sie sich im nachhinein sehr aufgeregt hätte, eine solche Gelegenheit verfallen zu lassen...
20 Jahre ist es nun her, seit der Nacht des Grauens, die Laurie Strode nur knapp vor ihrem Bruder Michael überlebte, der später bei einer Explosion scheinbar ums Leben gekommen ist. Aus Angst davor, dass er noch lebt, hat Laurie eine neue Identität bekommen. Sie heisst jetzt Keri Tate, ist Leiterin eines Privat-Internats in Kalifornien und hat einen 17jährigen Sohn Namens John, der als einziger weiss, wer sich wirklich hinter Keri verbirgt. Trotz allem konnte Keri die Flucht ihrer Existenz nicht abschütteln. Ihre Alkoholsucht und die ständigen Alpträume entfremden sie von John. Keri ahnt, dass ihrm Martyrium noch nicht vorbei ist: In der Halloween-Nacht, wo fast die gesamten Schüler und Lehrkräfte des Internats, an einem Ausflug teilnehmen, schlägt Michael Myers erneut zu und Keris schlimmsten Befürchtungen werden wahr. Diesmal gibt es auch keinen Dr. Loomis mehr, der ihr helfen kann, da dieser zwischenzeitig verstarb.
Von 1978 bis 1998, von "Halloween 1 - Die Nacht des Grauens" bis hin zu "Halloween H20" hat sich das Horrorgenre natürlich sehr verändert. Lebte John Carpenters Original noch von langsamen Kamerafahrten, langen Szenen und einem langsamen Spannungsaufbau, passt sich "H20" der "Scream"-Generation an. Zum einen ist dies sehr schade, denn wie wäre es mit einer Fortsetzung im Stile des Originals gewesen, aber zum anderen muss man einfach zu geben, dass sich das Publikum in all den Jahren sehr verändert hat und ein Film im damaligen Stil heute einfach keinen Erfolg mehr hätte. Die Teenagerfilme waren sehr im Kommen und so war es naheliegend, dass diese auch Michaels Opfer werden. In der Geschichte passt es sehr gut hinein, dass einige Teenager zurück im Internat bleiben, da sie aus irgendwelchen Gründen am Ausflug nicht teilnehmen dürfen.
Damit die Geschichte auch nicht für viel Verwirrung sorgt, wurden die Teile 4-6 (3 ja sowieso) einfach ignoriert. Natürlich könnten die Ereignisse stattgefunden haben, aber sie bleiben unerwähnt. Geschichtlich halte ich es aber für einen Vorteil, dass "H20" an die ersten beiden Teile anknüpft.
Neben einer perfekten Performance von Jamie Lee Curtis (es ist einfach wunderbar, sie nach zwanzig Jahren wieder in der selben Rolle zu sehen) und auch Adam Arkin, sticht besonders Rapper LL Cool J hervor, der sehr sympatisch rüberkommt und für einige Schmunzler sorgt. Auch Josh Hartnett und Michelle Williams können überzeugen. Es wäre wirklich sehr schön gewesen, hätte John Carpenter persönlich den Platz im Regiestuhl eingenommen (drehte zur selben Zeit "Vampire"), aber dennoch muss man erwähnen, dass Steve Miner, ein alter Fachmann ("Freitag der 13. Teil 2+3"), seinen Job exzellent erledigt hat. Die Idee zum Drehbuch stammte von Kevin Williamson, der vorher bereits die beiden "Scream"-Drehbücher verfasste und somit ein Auslöser, der neuen Horror-Teenagerfilme war.
"H20" gibt gleich zu Beginn Vollgas. Dr. Loomis´ alte Krankenschwester (selbe Schauspielerin wie in Teil 1+2) hat noch immer die Akten des Falles Laurie Strode. Nachdem Michael diese erkundet hat, wird sie zu seinem Opfer. Nach etwa zehn Minuten kommt dann der gelungene Vorspann, in dem man einiges über Michael Myers und der Halloween-Nacht 1978 erfährt. Untermalt ist das ganze von der atemberaubenden Halloween-Theme. Der Mittelteil ist eigentlich nur Story und diesmal auch gelungen. Sobald die Dunkelheit einbricht, kommt eine super Spannung auf. Die Atmosphäre des Filmes wird von Minute zu Minute besser, das ganze untermalt von einem wirklich gelungenen Score von John Ottman. (Anmerkung: Auch das Lied "What´s this life for?" von Creed im Abspann finde ich sehr passend.) Die Splatter-Effekte sind aufs nötigste reduziert und wiedereinmal gut platziert.
Als nächstes gehe ich nochmal auf eine bestimmte Szene ein, die wirklich schön mitanzusehen ist, nämlich die, in der Keris Sekretärin (Janet Leigh, "Psycho", Mutter von Jamie Lee Curtis) für einen Moment "mütterlich" wird und ihr ein schönes Halloweenfest wünscht. Das Outfit von Janet Leigh ist das selbe wie aus Psycho und auch bei dem Wagen, in den sie wenig später einsteigt, handelt sich um das selbe Modell wie das aus Hitchcocks "Psycho". Ein weiteres Denkmal setzt die Eishockeymaske zu Beginn des Filmes, welche möglicherweise in Anlehnung an die "Friday the 13th"-Filme (--> Steve Miner) ist und auch die "Scream 2"-Szenen könnten eine Anlehnung an Autor und Executive-Producer Williamson sein.
Viele Fans werden vielleicht enttäuscht sein, dass "H20" sich der Scream-Generation angepasst hat, aber als Fazit ist dennoch zusagen, dass "H20" für die meisten, die qualitativ beste und beliebteste Fortsetzung ist. Mit einer reinen Filmlaufzeit von unter 80 Minuten ist dieses Sequel ein "kurzes" Vergnügen mit einer Mischung aus Spannung, Ironie und Unterhaltung. Auch das Ende, welches ich für gelungen halte, kommt ziemlich überraschend daher. Es wäre wirklich ein optimales Ende der Filmreihe gewesen...
9/10 B.Vaupel