Review

Halloween H-20 war als Neuerung innerhalb der Halloween-Reihe gedacht, um der Saga um Michael Myers neues Blut einzuflößen und insbesondere hinsichtlich der vernichtenden Kritiken des VI. Teils einen Schritt zurück zu den Ursprüngen des Originals zu unternehmen.
Ist das auch gelungen?

Ein guter Ausgangspunkt des Films ist zweifelsohne, dass das obligatorische Gegensatzpaar Michael Myers - Dr. Sam Loomis nicht mehr den Mittelpunkt bildet, welcher insbesondere in den letzten Teilen allmählich zu einem richtigen Trott verkommen ist.
Angesichts des Todes von Donald Pleasence musste notgedrungen ein neuer Handlungsstrang gewählt werden, der die Geschichte weitererzählt.
Hierbei wurde mit H-20 an die Vorgeschichte des Originals und des II. Teils angeknüpft, die Fortsetzungen Teil IV, V und VI sollten ignoriert werden.

Als Schlüsselfigur kehrt Laurie Strode zurück, die - inzwischen sind zwanzig Jahre vergangen - unter neuer Identität nach den dramatischen Ereignissen um ihren Bruder mehr schlecht als recht in die Normalität zurückgefunden hat. Als "Keri Tade" leitet sie das Hillcrest-Internat in Kalifornien, hat eine Affäre mit ihrem Kollegen Will Brennan (Adam Arkin) ringt aber weiterhin mit ihren traumatischen Erlebnissen und leidet zudem unter der fixen Idee, früher oder später würde ihr Bruder Michael zurückkehren.
Eine Sorge, die sich nicht als unbegründet erweist :
Aus dem Archiv der Krankenschwester Marion Wittington (Nancy Stephans), die zuletzt als Pflegerin des inzwischen verstorbenen Dr. Sam Loomis tätig war, ist die Akte "Laurie Strode" entwendet worden, kurz darauf trifft die Gute dann auf Myers und segnet das Zeitliche. Also: Michael Myers ist zurück und die finale Abrechnung mit seiner Schwester steht bevor!
Soweit so gut, aber im weiteren Verlauf wird H-20 nicht mal ansatzweise den Hoffnungen gerecht werden können, die der Einstieg des Films beim Zuschauer geweckt haben mag.
Wir lernen den nervtötenden Sohn von Laurie / Keri kennen, um den im Folgenden viel Aufhebens veranstaltet wird. Der pubertierende Sprössling bringt wenig Verständnis für den Verfolgungswahn der überängstlichen Mutter auf und will sich schon gar nicht vor der längst anberaumten Halloween-Party (ja, natürlich ist es punktgenau der 31. Oktober!) abbringen lassen. Diese soll dann aufgrund Ausgangsverbotes mit drei weiteren Holzköpfen heimlich in dem inzwischen menschenleeren Internatsgebäude stattfinden.
In der Halloween-Nacht hat sich selbstverständlich auch Michael Myers bereits auf dem Gelände eingefunden.

Schon geht es drunter und drüber:
Eigentlich doch auf der Suche nach seiner Schwester Laurie Strode begibt sich der Mörder in die dunklen Gängen auf eine Jagd nach den ungehorsamen vier Teenagern, die so ziemlich den gesamten Mittelteil des Films ausfüllt. Endlich trifft er auch auf seine Schwester, die ihren Sohn und dessen Freundin gerade noch vor Myers retten kann.
Es kommt zum Finale und Laurie ist sichtlich entschlossen, einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit zu ziehen.
Michael Myers gerät schließlich im wortwörtlichen Sinne ziemlich "in die Klemme" und verliert schließlich noch durch Axthieb den Kopf. War es das? - Das war's!

Wie gesagt, H-20 beginnt viel versprechend und der Anspruch, ausgehend vom Original eine eigenständige Handlungslinie weiter zu erzählen, besitzt etwas Erfrischendes.
Bei der weiteren Umsetzung hapert es dann aber gewaltig.
Vor allem wird man sich bewusst, dass tatsächlich 20 Jahre zwischen dem (an sich bestimmt zeitlosen) Original und der Fortsetzung Halloween H-20 liegen.
Die Sehgewohnheiten sind andere geworden, insbesondere steht H-20 unmittelbar im Kontext des Welterfolges von "Scream" an den offensichtlich auch angeknüpft werden sollte. So ist erklärlich, dass dieser Halloween-Ableger - trotz aller gegebenen guten Ansätze - zu einem statischen Teenie-Slasher nach dem Schema F verkommen ist und Laurie Strode / Jamie Lee Curtis m.E. nicht ihre erforderliche Präsenz erhält. Nicht umsonst fungierte u.a. Kevin Williamson als Drehbuchautor, der auch maßgeblich an der Umsetzung von "Scream" mitgewirkt hatte. Die Regie übernahm des Weiteren der "Freitag der 13." - erprobte Steve Miner.
Trotz einiger Anklänge und Reminiszenzen an das Ur-Halloween - gelungen ist bspw. der Kurzauftritt der Krankenschwester aus dem Original - will einfach nicht das frühere Flair aufkommen.
Der schwache Mittelteil des Films erscheint uninspiriert und langweilig. Hätte hier ein etwas höherer Blutgehalt zur Überbrückung beigetragen, so enttäuscht Halloween H-20 auch in dieser Hinsicht : Die Morde geschehen eigentlich nur "Off-Screen" und bis auf die etwas gemeinere Szene mit Will Brennan (Übrigens geklaut bei Halloween II) übt der Film sich in Zurückhaltung wie das Original, ohne aber gleichzeitig dessen Spannung erzielen zu können! Bezeichnenderweise erhielt Halloween H-20 in ungekürzter Veröffentlichung eine FSK-Freigabe von 16 Jahren.

Carpenters musikalisches Halloween-Thema wird in Vor- und Abspann von H-20 aufgegriffen, ohne, wie in anderen Fortsetzungen eine innovativ-neue Note aufzuweisen. Ansonsten habe ich keinen nennenswerten Soundtrack innerhalb des Films wahrnehmen können.

Der neben dem ganzen Teenager-Gedöns interessantere Charakter des Psychologen Will Brennan wird unverständlicherweise nicht weiter vertieft.
Dafür aber haben wir als Pausen-Clown einen unwahrscheinlich dämlichen Neger-Pförtner (LL Cool J!!), der nur dummes und albernes Zeug sagt und macht.

Insgesamt, mit Hinblick auf den dann noch schlechteren Nachfolger "Halloween - Resurrection" noch :

4 /10

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