Die „Millennium-Trilogie“ hat den nordischen Krimi merklich vorangetrieben, nicht zuletzt durch die versierte Regie von Daniel Alfredson. Dieser darf sich erneut an einer Trilogie versuchen, indem er drei Kurzgeschichten des schwedischen Autors Håkan Nesser abarbeitet.
Oder aufplustert, denn 102 Minuten Laufzeit fühlen sich über weite Teile deutlich zu lang an.
David (Benno Fürmann) erhält eine kleine Audienz beim zurückgezogen lebenden Autor Henderson (Ben Kingsley), um aus seinem autobiographisch angehauchten Manuskript vorzulesen: Vor drei Jahren verschwand Davids langjährige Freundin im Urlaub, nun wähnt er sie noch am Leben und begibt sich auf die Suche. Zeitgleich geht er dem mysteriösen Tod eines Autors nach, denn beim Übersetzen dessen letzten Romans entdeckt er einen Code…
Die Rahmenhandlung besteht aus den kurzen Gesprächsfetzen zwischen David und Henderson, die sich im noblen Häuschen auf einer einsamen Insel mit einigen Gläsern Wein einer Geschichte widmen, während das eigentliche Manuskript in den Mittelpunkt der Geschichte gerückt wird. Diese beginnt zunächst als klassisch anmutender Krimi, als David die Bremsen seiner Fremdgehfreundin manipuliert und diese daraufhin von der Bildfläche verschwindet.
Drei Jahre später wähnt David das unverkennbare Husten seiner Freundin zu erkennen: Bei einer Aufzeichnung eines Klassikkonzerts im Radio (!).
Kurz darauf wird dem Ganzen eine zweite Story um den verstorbenen Autor angehängt, was natürlich Parallelen aufzeigt, jedoch nie so recht auf den Punkt kommt. Im Gegenteil, die Chose eiert mit einigen redundanten Szenen unmotiviert vor sich hin. Zig mal steht David an Konzertsälen, kritzelt in der Bibliothek an der Übersetzung, bis ihm nach Wochen auffällt, dass einige Wörter rot unterstrichen sind und offenbar ein Rätsel markieren sollen.
Das ständige und zudem völlig unnütze Voiceover ermüdet zusätzlich.
Das inhaltliche Mäandern ist insofern kontraproduktiv, als dass Alfredson null auf Verpackung setzt. Schauplätze in Belgien, Slowenien, Serbien und Kroatien werden beinahe sträflich vernachlässigt und der Score geht genauso unter. Es gibt keinerlei Action und so schleppt sich der behäbige Vortrag, bis es im letzten Drittel doch noch zu einer kleinen Wendung kommt, die etwas mehr Background verdient gehabt hätte.
Den Mimen ist bei alledem nichts vorzuwerfen, primär Fürmann müht sich um Nuancen und verleit der Hauptfigur die notwendige Präsenz, während Kingsley unterfordertes Beiwerk bleibt.
Mag die Kurzgeschichte noch knackig auf den Punkt gekommen sein, wird hier größtenteils zu lahm erzählt, es kommt nur selten zu spannenden Momenten und es steht zu befürchten, dass die beiden übrigen „Intrigo“ - Verfilmungen nicht unbedingt unterhaltsamer ausfallen werden.
4,5 von 10