Review

Ganz ehrlich, die Zeiten, in denen sich die großen Studios um Sylvester Stallone rissen, sind leider längst vorbei. Nach dem Totalflop Driven 2001 (Verlust von ca. 50 Millionen $) schien seine Kinokarriere am Ende zu sein, nur durch die Reaktivierung der einstigen Hitgaranten Rocky Balboa (2006) und John Rambo (2008) sowie durch die Nutzung der Starpower des Expendable Franchises (2010-2014) fand er den Weg zurück in die globalen Lichtspielhäuser. Versuche, ihn alleinig (Shootout 2012) oder mit Co-Star (Schwarzenegger - Escape Plan 2013; De Niro - Grudge Match 2013) einen rentablen Kinofilm stämmen zu lassen, scheiterten, deshalb griff Stallone wieder auf die Paraderollen Rocky (Creed I + II 2015 / 2018) und Rambo 5 (2019) zurück. Nebenbei gründete er sein Label Balboa productions und entdeckte eine weitere, profitable Einnahmequelle: Das Mitwirken in Billigproduktionen mit wenig Screentime ist schnelles Geld, Escape Plan 2 + 3 sowie auch Backtrace schlagen eindeutig in diese Kerbe.

Der "Genuss" dieses Actionkrimis mit akutem Actionmangel und ausgelutschtem Standard Plot ist mindestens genauso ermunternd wie Baldriankonsum zur Abendstunde oder so unterhaltend wie eine Sternzeichendeutung auf Astro TV. Bankräuber MCDonald (Matthew Modine) versteckt die 20 Millionen teure Beute und kann sich nach Schießerei und dem daraus resultierenden obligatorischen 7 jährigen Koma nicht mehr erinnern, wo den das Versteck wohl war. Damit er sich besser entsinnen kann, welch geistreiche Idee, bekommt er eine neuartige Droge verabreicht während er bei der Suche nach dem Geld und nach seiner eigenen Erinnerung zwischen die Fronten von anderen Kriminellen, korrupten FBI Agenten und der Polizei, sprich Sergeant Spikes alias Sylvester Stallone gerät. 

Dabei würde man es Regisseur Brain A. Miller zu einfach machen, die 08/15 Geschichte und seine hirnrissigen Wendungen sowie das begrenzte Budget als Entschuldigung für die mangelhafte Inszenierung zu akzeptieren, ich behaupte, dass es durchaus auch geschicktere Fädenzieher gibt, die aus überschaubaren Mitteln ein schmackhaftes Filmerlebnis kreieren können, zumindest eines, an dem sich das Publikum nicht verschluckt. Die eintönige, unspektakuläre Action ist technisch hundsmisserabel umgesetzt, sie wirkt dank dem Einsatz von nervöser Wackelkamera mit unpassendem Zoomfaktor extrem unübersichtlich und ist bis auf den anfänglichen Shootout Bankräuber versus Komplizen sowie dem etwas längeren Finale mit Schusswechseln in der Fabrik so gut wie gar nicht vorhanden. Dass das nicht gerade zur Spannungserzeugung beiträgt, ist selbsterklärend, dass Handlungsgerüst und auch die Schauspieler mit deren amateurhafter Dialogführung sowie Ihrem größtenteils lustlosen Acting schaffen es hier jedenfalls nicht, den Zuschauer in der großen "Actionpause" wenigstens einigermaßen bei Laune zu halten.

Darüber hinaus bestechen die Filmschauplätze wie z.B. eine alte Straße oder die herunter gekommene Lagerhalle für den Showdown sowie sämtliche verwendete Kulissen durch ihre qualitätsfremde Optik und tragen Ihren Teil dazu bei, dass genügend Geld vom Budget auf Stallones Konto fließen konnte, ob er diesen Lohn für seine "Mühen" nun verdient hat, steht auf einem anderen Blatt, ein Bein dürfte er sich offen gesagt nicht ausgerissen haben. Sichtlich "Angestrengter" dagegen sieht die Performance von Matthew Modine aus, der vielen noch aus Full Metal Jacket (1987) ein Begriff sein dürfte, er versucht zumindest seiner Rolle so etwas wie Charisma zu verleihen, was ihm phasenweise sogar gelingt, neben seiner Darbietung hat mir noch der Vollständigkeit halber der verwendete Filmscore zugesagt, er hat mich einige Male vor dem einschlafen retten können, nicht dass es noch heißt ich wolle den Film nur verreißen.

Bleibt zu hoffen, dass Backtrace Stallones letzter Ausflug in dunkle C-Movie Gefilde ist, welcher meiner Meinung nach den traurigen Höhepunkt einer unschönen Entwicklung darstellt. Im Prinzip ist ja nichts dagegen einzuwenden, solange wenigstens ein bisschen auf die Qualität geachtet wird, Escape Plan 3 war da noch der ansehbarste Vertreter seiner letzten 3 Low-Budget Streifen, die anderen beiden Unterhaltungswunder sind zum in die Tonne kloppen. Für die Endwertung Positives zu finden, ist wie die berühmte Nadel im Heuhaufen suchen, zu langweilig und qualitativ minderbemittelt ist das Endprodukt ausgefallen. Einen Punkt verdient sich der bemühte Matthew Modine, einen kumulierten Punkt vergebe ich für den annehmbaren Filmscore und dafür, dass es überhaupt Action gibt, auch wenn diese mehr schlecht als recht ausgefallen ist, 2/10 Punkte.

Details
Ähnliche Filme