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Topf auf und alles Mögliche samt Flüssigkeit reinwerfen – so funktioniert vielleicht Suppekochen, aber beim Filmemachen darf es schon etwas mehr behutsame Komposition sein, gerade bei etwas so Heiklem wie Kurzfilmanthologien.

„Patient Seven“ aus der „Terrorfilms“-Schmiede hat sich aus dem großen Horrorfilmkochbuch gleich mal einen Gassenhauer rausgesucht, den Amicus-Klassiker „Asylum“ aus dem Jahr 1972 und hinter dem hoppeln sie mit diesem Film hinterher: ähnliche Grundstory, mehr Episoden, wilde Abwechslung der Themen. Aber leider kommt das Endprodukt an die eh schon nicht perfekte – aber vielgeliebte – Vorlage in keinster Weise heran.

Immerhin: eine nette Geste, den alten Schlimmfinger Michael Ironside mal wieder zu sehen, der hier als Erfolgsautor das Placet bekommt, sechs Patienten einer Heilanstalt unter die Lupe zu nehmen und ihre unglaublichen und übernatürlichen Backstorys zu überprüfen.
Dabei geht es diesmal nicht um die Eignung für den Job, denn offenbar ist der gar nicht liebe Dr.Marcus ein fieses Dreckstück, der die Patienten zum Zwecke der Wahrheitsfindung gerne mal ne Runde erniedrigen und kaputtmache möchte- als wären sie das nicht schon längst.

Dass das natürlich ein böses Ende nimmt, erkennen wir schon an den üblichen Anzeichen eines schlechten Horrorfilms, dessen Macher zu viele Comic gelesen haben: dunkle Gänge, flackerndes Licht, herunter gekommene Atmosphäre, wenig Personal und wenn, dann ungeschut, unmotiviert oder einen Happen dämlich.

Qualität in der Richtung Peter Cushing muss hier niemand erwarten, aber so etwas kann ja auch durch die Episoden wieder aufgefangen werden. Die allerdings wirken wie beliebig zusammen gewürfelt. Einige sind aus dem skandinavischen Raum und wohl noch unabhängig von dieser Produktion als Kurzfilm gedreht, andere sind kaum mehr als Vignetten. Was sie fast alle gemeinsam haben: schwache Pointen.

„The Visitant“ rund um eine Dämonengläubige ist so schnell vorbei, dass man sich verblüfft umsieht – nette Tricks, aber für Charakterentwicklung reicht es nicht mehr. „The Body“ gehört thematisch mehr in den British Crime-Bereich, den auch Guy Ritchie beackert, mit einem Killer, der sich Halloweenfeiernden bedient, um eine Leiche zu entsorgen – erzählt von der angeblichen Leiche. Nett, aber breitgetreten. „Undying Love“ aus Island passt – unsynchronisiert – nicht so recht rein, wäre aber als Zombiekurzfilm allein ein netter Shortie. „The Sleeping Plot“ hat zumindest schwarzen Humor (ein Mädchen sammelt via Curse-Glas Geld für eine Schaufel), die Pointe ist aber absehbar. Die Geisterverfolgung „Banishing“ kommt noch am ehesten an eine Amicus-Episode heran und ist auch hübsch grimmig, die Vampir-Chose „Death Scenes“ verliert leider aber schon bald an Biss.
Zum Schluss noch der Kurzfilm „Evaded“, der gut als DoubleFeature zu „Undying Love“ passt, nur diesmal mit einem End-of-the-World-Szenario mitten im verschneiten Wald.

Dazu kommen dann noch die Episoden-Intros samt Patientenvorstellungen und das später Auseinandernehmen des Erzählten und Gezeigten und schon summiert sich die Filmlänge auf knapp zwei Stunden. Ironside macht sich einen Spaß, grimassiert und grollt rum und sorgt dann auch für die Schlusspointe, die mich dann aber nach allerlei Mittelprächtigkeit und einen sehr kontruiert wirkenden Episodengerüst auch nicht mehr frisch gemacht hat.

Wer sowieso alle Anthologien liebt, kann hier zugreifen, aber mir persönlich war das alles zu wenig durchdacht. Weniger ist manchmal mehr.(4/10)

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