Review
von Leimbacher-Mario
Traumatorium
Die einzige Kategorie wo „Extremity“ wirklich extrem ist, ist in seiner Mittelmäßigkeit... Anthony DiBlasi gilt noch immer als hochgradiges Horrortalent - „Dread“ oder auch „Most Likely To Die“ waren dafür solide bis gute Beweise. Nur müsste dann nicht langsam mal ein richtiger Knaller kommen?! Stattdessen kommt mit diesem Horrorhaus-Schocker ziemlich austauschbare B-Ware, die nicht gerade dazu einlädt, seine nächsten Werke direkt auf die Watchliste zu setzen oder seine Karriere allzu gierig zu verfolgen... In „Extremity“ geht eine traumatisierte und sich ritzende junge Frau in ein die Grenzen auslotendes Horrorhaus, wo sie erschreckt, verletzt, gefoltert, gepeinigt und mit ihren tiefsten Ängsten konfrontiert wird...
Es gibt Hoopers Klassiker „The Funhouse“ und auch in den letzten Jahren war ein solches Szenario ala „Haunt“, „Hell Fest“ oder „The House October Built“ wieder recht gefragt. „Extremity“ ist allerdings meiner Meinung nach kein Vorzeigetitel dieses abseitigen Subgenres. DiBlasi besitzt offensichtlich das Handwerk - scheinbar aber nur ganz selten die Kunst. Zumindest hatte ich mir bei seinem neuesten Erguss an allen Ecken und Enden mehr erhofft. Erst recht nachdem ich „Last Shift“ sehr gerne mochte. „Extremity“ kann da nur sehr sporadisch anknüpfen. Die Schocks wirken/sind künstlich, die Figuren bleiben ärgerlich öde, oberflächlich, nichtssagend, die Inszenierung ist Hausmannskost aus der filmischen Mikrowelle. Manch eine Farbgebung, eine Gorespitze, ein Scoremoment kann punkten. Aber auch das immer nur in der B-Note und auch nie nachhaltig. Menschenjagd. Folterfakes. Auftragsarbeit. Erotikschmu. Todesspiel. Videothekenware. Hipster-Exploitation. Geh doch mal in die Vollen, verdammt...
Fazit: Traumabewältigung in einem faken und dennoch ziemlich fiesen Folterhorrorhaus - die Prämisse wurde in den letzten Jahren ziemlich schnell alt, „Extremity“ bringt nichts Neues an den Tisch, verwirrt mit seltsamen Schnitten und lahmen Rückblenden, ist zudem nur halb so hart wie das Marketing ihn macht und auch noch nichtmal wirklich durchgehend stylisch oder durchdacht. Eher bemüht als gekonnt... So wird das nichts mit dem Titel „Master of Horror“, Herr DiBlasi!