Creed 2
Der mittlerweile achte Rockyfilm passt wunderbar in das aktuelle Hollywood – die Fortsetzung eines Reboots eines berühmten 80er Franchises mit jeder Menge Fanservice.
Für mich persönlich ist der vierte Teil das Lowlight der Reihe. Ein reiner, völlig überzogener Actionfilm, der nichts mehr mit dem wunderbaren Erstling (oder wenigstens dem hochgradig unterhaltsamen Dritten) zu tun hat und dessen primitive Actionstory mit jeder Menge patriotischer Soße übergossen wurde. Dazu wird mit Apollo Creed ein zentraler Charakter völlig überflüssig geopfert (Mikeys Tod im dritten Teil war dagegen extrem effektiv) und vom 80s Robot sollte man lieber schweigen. Ein Hit war das Ding trotzdem und ist natürlich ein dankbarer Andockpunkt für die Fortsetzung des echt gelungenen Creed.
Nicht nur Apollo hat einen Sohn, auch Ivan Drago hat Nachwuchs, den er von Kind an zum Boxer herangezüchtet hat. Narrativ (sowohl in der wirklichen Welt als auch in der im Film) müssen die beiden natürlich aufeinander treffen. Wie schon im vierten endet der erste Kampf tragisch, allerdings ist Rocky zu alt und Donnie zu wichtig, also gibt es keinen Toten. Auch der nervige Patriotismus ist weg (obwohl antirussischer Patriotismus im Moment…), was dem Film gut tut. Viktor Drago ist stark, aber keine reine Maschine, wie es Ivan war. Der ist gebrochen (passt natürlich wunderbar zu Lundgrens Aussehen) und verbittert und treibt seinen Sohn gnadenlos an. Die Gegenfigur ist Rocky, den wir seit 1974 begleiten (auch wenn die Zeit in seinem Filmuniversum anders vergehen muss), der seinen Ziehsohn schützen will. Daneben müssen sowohl er als auch Donnie mit ihrer Familie klarkommen, bis es zum zweiten, kathartischen Kampf kommt. Das ist gut inszeniert und gespielt, die Story macht keine Fehler und Sylvester Stallone als Rocky ist einfach immer wieder gut (auch wenn die Figur mittlerweile keinen eigenen Film mehr tragen kann). Positiv ist auch, dass Donnie, genau wie Rocky, starke Frauen an seiner Siete hat. Zwar kann niemand Adrian ersetzen, aber auch seine Mutter und sein Love Interest aus dem ersten Teil sind zum Glück mehr als Beiwerk sondern entscheidend für den Charakter. Höhepunkte am Ende sind das Ertönen von Flying Higher, Dolph Lundgrens Charakterentwicklung und Rockys Heimkehr. Wie schon der erste Creed kommt er nicht an das Original ran, aber welcher Film schafft das schon? Seinen Vorgänger, Rocky IV, überragt er jedenfalls um Längen und er ist keine Sekunde langweilig, die beiden Boxkämpfe (und ich hab immer noch keinen Boxkampf live bzw. in voller Länge gesehen) sind dynamisch und spannend. Nicht innovativ, aber einwandfrei.