Review
von Leimbacher-Mario
Nichts für Leute mit Herzschwäche
Den hätte ich mir nicht allein abends auf dem Handy im Bett anschauen sollen... denn „The Witch In The Window“ ist wirklich verdammt gruselig. Und dabei ist seine Spannung noch nichtmal die allergrößte Stärke, die dieses knackige Hexenhaus zu bieten hat... Denn erzählt wird von einem Vater, der sich von seinem Sohn und seiner Noch-Ehefrau emotional entfernt hat und deswegen nun ein einsames Haus gekauft hat, das er mit seinem langsam in die Pubertät kommenden Jungen renoviert und saniert, so vielleicht im besten Fall auch seine große Liebe zurückerobern will. Blöd nur, dass dort vorher scheinbar eine schaurige alte Frau/Hexe gelebt hat und (sitzend, beobachtend, wachend im Stuhl am Fenster!) gestorben ist, die ihr Heim und mögliche neue Bewohner einer genauen, gemeinen Gänsehautprüfung unterzieht...
„The Witch In The Window“ klingt wie recht generischer Haunted House-Schmu, ist jedoch so viel mehr als das. Was er in seine nichtmal 80 Minuten packt, ist viel mehr Aufmerksamkeit wert, als er bisher erhaschen konnte. Die Stimmung ist von Beginn an creepy, die alte Lydia ist der Stoff, aus dem Alpträume sind, wie sie sich oft unbemerkt im Hintergrund, in Fenstern oder Schatten versteckt, ist ganz große Klasse und hat etwas von Flanagans Hitserie „The Haunting of Hill House“. Die Inszenierung ist knackig, die Jumpscares sind brutal und vor allem verdient, ich würde das Ganze noch nichtmal als Slowburn bezeichnen, da ich durchgehend unter Strom stand. Und jetzt kommt das Beste: die Vater-Sohn-Beziehung ist eine der feinsten und glaubwürdigsten, die ich seit Jahren gesehen habe, zudem noch top gespielt. Dieser emotionale Kern und Kommentar zu (familiären) Beziehungen allgemein in Kombi mit etlichen Gänsehautmomenten und einer glaubwürdigen alten Hexe - fertig ist ein Gespenstergeheimtip für Gruselgourmets irgendwo zwischen „Zimmer 1408“ und „The Girl On The Third Floor“. Regisseur Andy Mitton hat sich bisher von Projekt zu Projekt deutlich gesteigert und ist einer, den man unbedingt im Auge behalten sollte!
Fazit: Emotionen. Spannung. Grusel. Familie. Beziehungen. Alles drin, alles dran. Haunted House done right. Damm right. Kurz und auf den Punkt. Fantastisch.