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Nachdem es den beiden Herumtreibern Jake Logan (Scott Martin) und Travis Parker (Clint Hummel) gerade noch rechtzeitig gelungen ist, sich über die mexikanische Grenze in ein US-Fort zu flüchten, beschließen sie, sicherheitshalber für die nächste Zeit diesseits der Grenze zu bleiben. Da ihr zweifelhafter Ruf (Überfälle und Betrügereien) sie aber auch in den Staaten begleiten, sind sie dankbar, den Buchhalter Jim Andrews (Christoph Sanders) zu treffen - der unbedarfte Großstadtmensch ist nämlich auf der Suche nach seinem Bruder und so dienen sich die beiden ihm kuzerhand als Begleiter an.
Als das Trio dann die titelgebende Stadt Big Kill erreicht, ist Jims Bruder nicht auffindbar, so daß sie erst einmal bleiben müssen. In den darauffolgenden Tagen machen sie Bekanntschaft mit der eher zweifelhaften Rechtsordnung der Stadt, die hier seit nicht allzulanger Zeit Einzug gehalten hat: als Sheriff fungiert ein gewisser "Prediger" (Jason Patric), der von dem smarten Revolverhelden Kane (Lou Diamond Phillips) unterstützt wird. Auseinandersetzungen werden kurzerhand mit der Waffe ausgetragen und kaum jemand wagt es, sich dem entgegenzustellen - auch wenn nicht alle damit einverstanden sind, so spielen sie doch mit. Der zivilisierte Jim, dem dies alles nicht gefällt, hat dabei ein Auge auf die Tochter eines Ladenbesitzers geworfen und knüpft zarte Bande, während Jake und Travis im Saloon sitzen und Letzterer sich als miserabler Pokerspieler erweist. Da erscheint eines Tages doch noch Jims Bruder (K.C. Clyde) - er ist der Bürgermeister der Stadt, Besitzer des größten Saloons und mischt somit kräftig mit, was die beiden trotz anfängliche Wiedersehensfreude schnell in Konflikt zueinander bringt...

Im Jahre 2018 noch einen Western zu drehen, kann eigentlich nur mit besonderer persönlicher Hingabe an ein Genre erklärt werden, dessen Blütezeit seit Jahrzehnten vorüber ist - und so ist Regisseur und Drehbuchautor Jake Logan in seiner Western-Hommage Big Kill auch gleich noch als einer der Hauptdarsteller zu sehen. Daß er sich dabei die Rolle des fleischlichen Gelüsten nicht abgeneigten Cowboys zugeteilt hat, mag mit persönlicher Eitelkeit zu tun haben, doch folgt sein über 2 Stunden dauerndes Werk ohnehin nicht den klassischen Vorgaben bezüglich eisenharter Sheriffs, ruchloser Desperados, wilder Indianerstämme oder bildgewaltiger Kavallerie-Aufmärsche, sondern bietet ein buntes Kaleidoskop auch schräger Typen, die sich da tagein tagaus ein Stelldichein in der Stadt geben: von zynischen Killern über angetrunkene Dumpfbacken, eine laszive Liebesdame, einem mexikanischen General (Danny Trejos unvermeidlicher 60-Sekunden-Auftritt), vorlaute Pokerspieler bis hin zu mit den Wölfen heulenden Stadtbewohnern, einem diensteifrigen Totengräber oder einer unerschrockenen jungen Dame sind hier alle möglichen Typen versammelt, die man sich im seinerzeitigen wilden Westen vorzustellen imstande ist.

Dank eines gewissen Augenzwinkerns bezüglich der Dialoge wie auch der Mißgeschicke der beiden Hauptdarsteller mag man dann auch darüber hinwegsehen, daß die eigentliche Story lange Zeit nicht recht vom Fleck kommt und nach einer längeren Einführung auf der Stelle tritt, gleichwohl sich der obligatorische Konflikt zwischen den Guten und den Bösen langsam aber sicher zuspitzt: denn der stets höflich und zuvorkommend auftretende Bürgermeister hat etwas andere Pläne mit der Stadt, und sein Bündnis mit der grauen Eminenz, dem "Prediger" und seinem Anhang, bekommt langsam Risse...
Natürlich bekommt man in Big Kill in vierlerlei Hinsicht auch nur diverse Versatzstücke früherer Vorbilder zu sehen und der Plot beinhaltet nicht wirklich etwas Neues, dennoch vermag dieser mit kleinem Budget gedrehte Retro-Western dank seiner schrillen Figuren doch ganz leidlich zu unterhalten: 6 Punkte.

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