Review

Kung-Fu und Du


Jesse Eisenberg spielt in diesem echten Geheimtipp augenzwinkernd genau das, was man von ihm erwartet, was er am besten (oder nervigsten?) kann - nur um diese spezielle, nerdige Rolle dann geschickt ins Ungemütliche zu steigern, zu kippen oder gar komplett zu unterwandern... Seine Figur in dem polarisierenden, dunkel- und trockenhumorigen „The Art of Self-Defense“ wird eines nachts von ein paar Bikern brutal verprügelt, krankenhausreif getreten. Daraufhin beschließt er irgendwie, zur Not mit Gewalt, aus seiner scheinbar angeborenen, defensiven Opferrolle herauszukommen - und landet dabei, nach einem kurzen Abstecher in einem Waffengeschäft, in einem Dojo, wo er in Karate flott Fortschritte macht, sich mit dem Sensei anfreundet, sich jedoch charakterlich nicht allzu positiv, angenehm, friedlich und freundlich entwickelt... 

Mit der Kult-Thriller-Komödie „Faults“ hat Regisseur Riley Stearns schon geschickt und in Kennerkreisen auf sich aufmerksam gemacht - mit dem skurrilen und oft bitterbösen „The Art of Self-Defense“ hätte er in einer fairen, geschmackvollen und intelligenten Welt eigentlich krachend den Durchbruch schaffen müssen. Dem war nicht so, dafür ist dieser ungewöhnliche Klopper wohl zu sperrig und off-beat, zu unangenehm und ehrlich, zu weird und fies, zu individuell und extrem, zu durchdacht und punktuiert, zu düster und zu hart für einige Zielgruppen und viele Zuschauer. Die bezaubernde Imogen Poots in einer Nebenrolle, eine Art Anti-„Karate Kid“ auf der Stirn stehend, einen einzigartigen Humor hinter sich herziehend - jip, „The Art of Self-Defense“ hat mich treffend und pünktlich abgeholt und nie mehr ziehen lassen. Ich habe mich etwas in diesen ungewöhnlichen Genremix verguckt. Für mich ist diese Männlichkeits-Groteske ganz nahe an einem Geniestreich. Wenn man denn die richtige Form von Humor dafür besitzt. Wenn nicht, könnten das sehr anstrengende, zähe 100 Minuten werden... 

Was bedeutet es ein Mann zu sein? 
Kommt mit großer Kraft wirklich große Verantwortung? 
Wie weit geht Selbstverteidigung? 
Können Frauen auch (körperlich) stark sein? 
Wo sollte Selbstvertrauen enden? 
In wieweit sollte man Gruppendynamik und Mythen hinterfragen? 
Kann Gewalt eine Lösung sein? 
Muss ein Mann immer hart und tough sein? 
Kann Kampfsport das Leben bereichern? 
Machen einen Waffen feige? 
Sind Dachshunde unmännlich? 
Ist Metal maskulin? 
Sind Franzosen Luschen? 
Wie verführerisch oder bequem oder gefährlich kann Gruppenzwang sein? 
Ist Imogen Poots nicht eine absolute Traumfrau? 
Wer hätte gedacht, dass „The Art of Self-Defense“ so böse und dunkel wird? 

Fazit: mal glorios witzig, mal überraschend schockierend, mal sogar traurig - „The Art of Self-Defense“ ist eine furiose Paraderolle für Eisenberg, passt ideal in die aktuelle Zeit, ist ein subversiver Handkantenschlag und hat mich mehrfach auf dem kalten Fuß erwischt. Genau mein Humor. Verdammt gut! 

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