Mit satten sieben Jahren Verspätung erscheint nun doch der Fantasy-Film „Wonderwell“, der gleichzeitig den letzten Auftritt der Star-Wars-Ikone Carrie Fisher markiert. Aufgrund massiver Probleme in der Postproduktion hinsichtlich visueller Effekte hat sich die Veröffentlichung laut Regiedebütant Vlad Marsavin so lange hingezogen.
Toskana, Italien: Nachdem die 15jährige Savannah (Nell Tiger Free) von der Modedesignerin Yana (Rita Ora) zum Gesicht ihrer neuen Kampagne gekürt wurde, fühlt sich ihre jüngere Schwester Violet (Kiera Milward) von ihrer Familie noch mehr vernachlässigt als zuvor. Beim Ausflug in den nahe gelegenen Wald trifft sie auf die freundliche Hexe Hazel (Carrie Fisher), die sie zu einem Portal führt, welches das Leben der 12jährigen binnen 24 Stunden schlagartig ändern könnte…
Bezüglich der besagten visuellen Effekte hat sich das Warten definitiv gelohnt, denn die vergleichsweise kleine Produktion bietet neben einer atmosphärischen Altstadt einen verzauberten Wald voller Blütenpracht und einigen magischen Elementen wie Schmetterlingen, eine Fleisch fressende Pflanze, sowie ein schwebendes Gesicht. Die Farbgestaltung ist sorgfältig abgestimmt und der Score von William Ross bietet einige sehr gefühlvolle Passagen, einschließlich eines tollen Themas des verstorbenen Komponisten Angelo Badalamenti.
Auch die familiären Probleme aus Sicht der jungen Heranwachsenden sind rasch erfasst, wobei die Eltern lediglich Randfiguren markieren und auch ein kleines Love Interest nur ein Element markiert, um den Großraum Coming-of-Age angemessen zu erweitern.
Letztlich geht es um Selbstfindung und gesellschaftliche Normen, die zu gegebener Zeit auch mal abzulehnen sind, um sich selbst treu zu bleiben. Symbolisch hierfür stehen die beiden Hexenschwestern, die, abgesehen vom eklatanten Altersunterschied für das simple Gut und Böse stehen und entsprechend kaum unterschiedlicher sein könnten.
Allerdings sind deren genaue Ziele nie klar definiert. Es geht neben Macht im Allgemeinen um irgendeinen Schlüssel, während die Schwestern als Spielbälle fungieren. Etwas befremdlich ist indes der mehrfache Hinweis auf die plötzlich sichtbaren Brüste der 12jährigen, während die Hexe Sex und Blumen (ohne Bienen) in Einklang zu bringen versucht, was ebenso merklich hinkt. Andere Aspekte bleiben darüber hinaus deutlich unterentwickelt. So wird das Auftauchen und Verschwinden einer düsteren Männergruppe in der Altstadt ebenso wenig hinterfragt wie das Fremdgehen offenbar beider Elternteile als Nebensächlichkeit abgetan wird. Und wenn es schon um sexuelle Entwicklung im Kontext mit Verführung geht, darf natürlich nicht das älteste Symbol in Form eines roten Apfels fehlen.
Was die simple und zuweilen holprig anmutende Erzählung ein wenig kaschiert, ist das ordentliche Spiel nahezu sämtlicher Beteiligter. Allen voran natürlich Carrie Fisher, die mit einer warmherzigen Ausstrahlung jede Szene an sich reißt. Jedoch performt auch Debütantin Milward recht versiert und bringt eine gute Präsenz mit. Ähnliches gilt für Rita Ora, die als böse Gespielin stets die richtige Mine einzusetzen weiß.
Zwar geht es mitunter verträumt märchenhaft zu, doch dem ganz jungen Publikum dürfte sich der Stoff nie ganz erschließen und zudem mit einigen zu düsteren Szenen angereichert sein. Bisweilen stolpert die Geschichte recht unnötig, da sie in einigen Punkt unausgearbeitet erscheint, auf der anderen Seite überzeugen Ausstattung und Atmosphäre, was letztlich im Positiven überwiegt. Dennoch mit Vorsicht zu genießen, da die finale Pointe nicht der große Wurf ist und am Ende fast ein wenig untergeht.
6 von 10