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Bislang zeichneten sich die Filme des Kanadiers Chad Archibald primär durch ihren Minimalismus aus, was zuweilen zum eindimensionalen Kammerspiel führte. Auch „I'll Take Your Dead“ haftet kein sonderlich hohes Budget an, was bei der unterhaltsamen Mischung aus Psychothriller und Geistergeschichte definitiv kein Nachteil ist.

William (Aidan Devine) lebt mit seiner zwölfjährigen Tochter Gloria (Ava Preston) auf einer einsam gelegenen Farm und verdient nebenher Geld mit dubiosen Machenschaften: Als Pathologe lässt er Leichen von Kriminellen im Auftrag einiger Gangs verschwinden. Als er eines Tages eine neue Lieferung erhält, entpuppt sich die Leiche von Jackie (Jess Salgueiro) als äußerst lebendig. William pflegt ihre Wunden, während sich Gloria der vermeintlichen Kriminellen annähert. Doch dann erfährt der Auftraggeber von Jackies Verbleib…

Der Tod ist für die junge Gloria etwas Selbstverständliches, denn ihr Vater macht keinen Hehl aus seinen Nebenverdiensten und spannt seine Tochter gar ab und an ein. Kein Wunder also, dass das Mädchen zuweilen die Geister Verstorbener zu sehen glaubt, zumal die Einsamkeit der Lokalität und der offenbar einzige Bezug zum Vater nicht unbedingt das optimale soziale Umfeld für eine junge Heranwachsende markieren. In wenigen Passagen vermittelt Gloria aus dem Off ihre Haltung gegenüber dem Tod und den sich daraus ergebenden Fragen über Geister. Trotz des guten und zugleich lockeren Verhältnis zu ihrem Dad wird früh deutlich, dass wenigstens eine Bezugsperson fehlt, woraufhin jemand wie Jackie gerade recht erscheint.

Obgleich sich ein Großteil der Handlung im schlicht eingerichteten Haus abspielt, wird die Isolation der Protagonisten glaubhaft vermittelt: Ein weite Schneelandschaft, das einzige Haus weit und breit und selbst Fernsehen oder Internet sind hier nicht auszumachen.
Leider wird die Annäherung zwischen Gloria und Jackie zuweilen ein wenig übers Knie gebrochen und mittels einiger arg konstruierter Begebenheiten wie der Schock über die erste Periode vorangetrieben. Dennoch haftet den drei Protagonisten eine unberechenbare Note an, was das Treiben, auch in Bezug auf eventuelle Geistererscheinungen interessant gestaltet.

Allerdings bleibt die paranormale Komponente stets im Hintergrund und wird selbst gegen Ende kaum durchleuchtet, wodurch sie letztlich wie ein gar nicht mal notwendiges Beiwerk daherkommt. Vielmehr konzentriert sich das Treiben im letzten Akt auf einige Konfrontationen, auch Schusswechsel und Körpereinsatz zählen dazu.
Die Gewalteinlagen fallen jedoch nicht allzu drastisch aus, denn neben Einschüssen gibt es genähte Wunden, einen abgetrennten Unterschenkel und ein Auflösen im Säurebad.

Trotz der nicht allzu gelungenen Synchro tragen die überdurchschnittlich performenden Mimen locker die nicht allzu ausufernde Handlung. Speziell Jungdarstellerin Ava Preston offenbart ein nuanciertes Spiel und bringt eine ordentliche Präsenz mit, während Aidan Devine die gelungene Mischung aus abgebrühtem Cleaner und fürsorglichem Vater verkörpert.
Aber auch Jess Salgueiro agiert als Gefangene wider Willen tauglich.

Etwas eigenartig ist der Umgang mit den Geistererscheinungen schon, denn phasenweise spielen sie gar keine Rolle, dann werden große Andeutungen gemacht, doch erklärt wird diesbezüglich etwas zu wenig. Demgegenüber zündet die Komponente der finalen Konfrontation, was ein wenig Home Invasion ins Spiel bringt. Der sauber abgestimmte Score und das weitgehend frei von Makeln befindliche Handwerk generieren einige atmosphärische Szenen, während sich die meisten Spannungsmomente im finalen Akt finden.
Ein kurzweiliger Genremix, der zuweilen gekonnt mit dem Zusammenspiel der sauber gezeichneten Figuren zu punkten vermag.
6,5 von 10

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