Review
von Leimbacher-Mario
Ich sehe tote Gangster
Chad Archibald mag noch kein allzu großer Name im Horrorbusiness sein, doch eingefleischteren Fans des Genres sagt er mittlerweile definitiv schon was. So hat er sich als Multitalent erwiesen und schreibt, produziert und führt Regie, u.a. bei vorzeigbaren, wenn auch noch lange nicht meisterhaften Titeln wie „Bite“, „The Heretics“ oder „Let Her Out“. Bei seinem bis dato neuesten Projekt „I'll Take Your Dead“ nimmt er wieder auf dem Regiestuhl Platz und zieht die Fäden bei dem für ihn sicherlich erstaunlich privaten, emotionalen und intimen Projekt von hinten bis vorne selbst, macht damit nochmal einen Sprung in vielerlei Hinsicht nach vorne. Der knackige Horrorthriller streift einige Subgenres und erzählt von einem alleinerziehenden Mann und seiner Tochter. Sie kommt gerade in die Pubertät, er ist ein Meister darin Leichen „verschwinden“ zu lassen, arbeitet auf seinem abgelegenen Bauernhof für etliche zwielichtige Gestalten und ist quasi eine Legende in seinem „Job“. Doch eines Tages landet eine junge Frau auf seinem Tisch, die noch gar nicht Tod ist und sich auch noch mit seiner Tochter (die zunehmend von höllischen Visionen der toten Menschen geplagt wird) anfreundet...
Coming-of-Age-Geschichte, Familiendrama, Gangsterthriller, Geisterschocker. „I'll Take Your Dead“ nimmt alle seine Facetten ernst und bringt diese auf komprimierten 80 Minuten stark unter einen Hut. Dass Archibald für das Horrorgenre leibt und lebt, ist keine Neuigkeit. Aber er konnte es bisher noch nie derart rund und schön vollenden wie hier. Die Vater-Tochter-Beziehung ist außergewöhnlich, beide Darsteller haben diese total verinnerlicht und spielen stark. Zudem wirkt das Ganze oft wie eine Mischung aus „We Are Still Here“ und „The Sixth Sense“, was ja ebenfalls keine schlechten Hausnummern für Vergleiche sind. Unter den wenigen Effekte gibt es selten Ausfälle (bis zum Schluss der „Zug in den Ofen“), die Balance aus ruhigen Charaktermomenten und lauteren Schocks und Shootouts passt, die Lauflänge lässt keine Längen zu und trotz Sentimentalitäten wird diese sehr spezielle Ghoststory nie kitschig oder peinlich. Ganz im Gegenteil. Mich hat sie durchaus abgeholt. Nicht umgehauen, geschweige denn überrascht (man weiß schnell, wohin die Reise geht), aber gut unterhalten.
Fazit: ein gelungener und überraschend gefühlvoller Genremix, der zwar noch immer nicht der ganz große Wurf ist, jedoch einmal mehr unterstreicht, dass Archibald ein Talent im weiten Horrorland ist. „I'll Take Your Dead“ ist irgendwo zwischen Geisterschocker, Familiendrama und Gangsterthriller ein fast schon routinierter Raumdeuter zwischen den Genrewelten.