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Ein trauriges Schicksal ist dem kleinen Eli (Charlie Shotwell) beschieden, der infolge einer seltenen Krankheit vollkommen abgeschirmt in einer Art Raumfahreranzug durchs Leben gehen muß - keine Außenluft, kein Schmutz und keine Bakterien dürfen zu ihm durchdringen, sonst spielt sein Immunsystem verrückt. Auf der Suche nach Heilung sind seine liebevollen Eltern Rose und Paul auf die Privatklinik von Dr. Horn gestossen, die einen einsam gelegenen Herrensitz umbauen hat lassen und auf Fälle wie jenen von Eli spezialisiert ist. Neben der schmerzhaften Therapie, die Eli über sich ergehen läßt, bemerkt der Junge jedoch einige übernatürliche Phänomene wie Geistererscheinungen, die nur im Spiegel zu sehen sind und merkwürdige Zeichen an der Fensterscheibe wie an der Schranktüre. Seine Eltern und die Ärztin wollen ihm zunächst nicht glauben, aber da es ihm mit jeder Therapiestufe schlechter zu gehen scheint, müssen sie sich bald selbst mit den massiver werdenden Erscheinungen auseinandersetzen...

Die Netflix-Produktion Eli steigt recht unvermittelt ins Geschehen ein - nach einer eher Mitgefühl erweckenden Einleitung (ein paar Arschlöcher verspotten den gehandicapten Jungen) erreicht die Kleinfamilie in der Dämmerung die abseits gelegene Klinik. Eine Schleusenkammer beim Eingang, dann werden die neuen Gäste von Frau Doktor, die mit nur 2 Helferinnen das ganze Haus betreut, begrüßt. Ab diesem Zeitpunkt wird Eli zum Haunted-House-Horrorfilm, wobei die Effekte sauber getrickst sind und die Spannung langsam ansteigen lassen. Erwähnenswert auch der Kinderdarsteller, der seine Figur des etwa 10jährigen Buben irgendwo zwischen Rotzlöffel und altklugem Mamasöhnchen angelegt hat und diese recht überzeugend rüberbringt, übrigens ohne den Zuschauer schon nach 3 Sätzen zu nerven. Ebenso tadellos agieren die Eltern sowie die Ärztin, alle anderen der wenigen Darsteller fallen nicht weiter auf.

Bezüglich der Mystery-Story hat sich das Drehbuch etwas einfallen lassen, indem es mit der Wahl des kurzen Namens Eli (den man übrigens amerikanisch "Ihlai" ausspricht) dessen Buchstaben durch Umstellen zu Lie ("Lüge") werden läßt und von dieser Art Schüttelreim auch ausführlich Gebrauch macht. Auf den Kopf gestellt, ergeben die Buchstaben übrigens einen Zahlencode, der - wer hätte das gedacht - ungebetenen Besuchern Eintritt in den versperrten Operationssaal gewährt. Zusammen mit allgegenwärtigen Schritten, Türenknarzen und herumhuschenden Gestalten ergibt sich somit eine spannende Spukhaus-Story, die den geneigten Zuschauer wenn schon nicht zu fesseln, soweit zumindest jedoch zu unterhalten vermag.
Hinwegsehen freilich muss man über einige Logiklöcher wie die technische Beschaffenheit dieser Klinik, die mit keimfreier Reinluft zu arbeiten vorgibt, dennoch den Besuchern den Eintritt in Strassenklamotten erlaubt und weder Mundschutz noch Handschuhe oder Haarhauben kennt. Auch die unverkleideten Holzbalken im Dachstuhl sind alles andere als keimresistent, wie überhaupt diese von nur 3 Personen betriebene Spezialklinik etwas spärlich ausgestattet zu sein scheint. Interessant in diesem Zusammenhang auch die geschlossenen Glasscheiben, durch die man sich bei normaler Gesprächslautstärke prima unterhalten kann...

Im letzten Drittel zieht Eli dann das Tempo an und offenbart schließlich mehrere Plot Twists, welche die Geschichte in eine völlig andere Richtung lenken, als man mehr als die Hälfte der Filmlaufzeit vermuten konnte. Sogar ein paar unerwartete, blutige Effekte stehen zu Buche - mehr sei aber nicht verraten. Zwar hat mir das Ende nicht besonders gefallen, die Überraschung ist jedoch durchaus gelungen. 6,51 Punkte.

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