Review

Seemannsgarn wird nicht erst seit dem Fliegenden Holländer gesponnen. Seit Jahrhunderten gibt es Geschichten über gespenstische Schiffe, verfluchte Kojen oder geisterhafte Erscheinungen auf hoher See. Einen soliden Beitrag konnte Autor Anthony Jaswinski diesbezüglich mit dem Skript zu „The Shallows: Gefahr aus der Tiefe“ leisten, hier gingen ihm und Regisseur Michael Goi offensichtlich rasch die Ideen aus.

Um finanziell unabhängig zu sein und seiner Familie mehr bieten zu können, kauft David (Gary Oldman) ein geräumiges, jedoch heruntergekommenes Boot namens Mary. Nach der Restaurierung steht die Jungfernfahrt mit Ehefrau Sarah (Emily Mortimer), den beiden Töchtern und zwei Bekannten an. Noch ahnt niemand, dass auf dem Boot ein Fluch lauert, der Persönlichkeiten drastisch beeinflussen kann…

Vielleicht kein gutes Vorzeichen, wenn Nicolas Cage, der seit Jahren jede noch so undankbare Rolle annimmt, diesen Streifen sausen lässt und daraufhin Oldman einspringt, der wiederum relativ flexibel in Sachen Rollenauswahl sein dürfte. Er und Emily Mortimer können das Treiben jedoch kaum aufwerten, welches mit einer im Verlauf kontraproduktiven Rahmenhandlung einer überlebenden Person beim FBI-Verhör einsteigt, nachdem die titelgebende Mary ohne Crew auf hoher See treibend geborgen wird.

Obgleich den Figuren genügend Raum zur Entfaltung eingeräumt wird, ergeben sich lediglich Klischeefiguren mit ebenso klischeehaftem Verhalten: David ignoriert alle bösen Zeichen, selbst als jemand mit einem Messer auf ihn losgeht, Sarah neigt zur nicht unbegründeten Hysterie, während Tochter eins nur Interesse für ihren Freund hegt, während Tochter zwei Bilder malt, die im Verlauf natürlich einen morbiden Charakter aufweisen.

An Spuk findet in der kammerspielartigen Kulisse nicht allzu viel statt. Stattdessen wird eine Handvoll an jump scares bemüht, die soundtechnisch geradezu aufdringlich untermalt, visuell jedoch einigermaßen tauglich umgesetzt sind. Es gestaltet sich indes ein wenig eindimensional, wenn die wenigen Figuren an Bord irgendwann Persönlichkeitsveränderungen offenbaren, was nur selten mit spannend inszenierten Konfrontationen einhergeht. Der Showdown wird demgegenüber zu hastig herunter gebrochen, während ein finaler, wenig origineller Twist nichts mehr zu bewirken vermag.

Entsprechend gehen die knapp 84 Minuten recht ideenlos vonstatten, denen es darüber hinaus an Schauwerten als auch an Originalität mangelt. Die kaum geforderten Mimen und der passable Score können dem wenig entgegensetzen, - mit „Mary“ wurde nur allzu dünnes Seemannsgarn verarbeitet.
Knapp
4 von 10

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