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In finsterer Vorzeit wurde irgendwann einmal eine Hexe ersäuft und ihre Kinder weit fortgebracht, daher trachtet sie seither danach, auch andere Kinder zu holen - so lautet ein altes Seefahrergedicht, das dem Zuschauer gleich zu Beginn des Films präsentiert wird. Ob David (Gary Oldman) jemals davon gehört hat, ist eher fraglich, denn der Mittfünfziger, der seine Familie (Frau und zwei Töchter) mit schlecht bezahlten Fischerjobs durchbringt, verliebt sich Hals über Kopf in eine abgetakelte alte Segeljacht, die kürzlich führerlos vor der Küste Floridas treibend aufgefunden wurde. Schnell ist ein weiterer Kredit aufgenommen, um den Kahn mit Hilfe von ein paar Freunden wieder flott zu machen, die Überzeugungsarbeit bei seiner Frau Sarah (Emily Mortimer) scheint dagegen schwieriger, aber auch sie läßt sich schlußendlich überreden, daß das "Mary"  benannte Boot mittels angepeilter touristischer Segeltörns die Familie bald wieder in finanziell lukrativere Gewässer führen wird. Dummerweise gibt es da aber den eingangs erwähnten Fluch der Hexe, und der macht sich schon bald bemerkbar, als die Familie zusammen mit dem Freund der älteren Tochter und Steuermann Mike auf Jungfernfahrt geht...

Der im Original als Mary vermarktete Film bringt trotz der klingenden Namen der Hauptdarsteller nicht einmal eine Variation des bekannten Themas "verfluchtes Schiff" zusammen und verhungert daher auf halber Strecke - zu keiner Zeit stellt sich auch nur die geringste Spannung ein, und es bedarf schon einer erheblichen Portion Geduld, das vorhersehbare Ende nicht durch Vorspulen zu erreichen: zu langweilig und konventionell gestaltet sich die Seereise, in der einzelne Personen von der Hexe beeinflußt werden und merkwürdige Dinge tun. Während man zwar unterwegs jede Menge Zeitungsausschnitte über das seltsame Verschwinden der Vorbesitzer der "Mary" findet, entscheidet sich Kapitän David erst viel zu spät, das Schiff zu verlassen - da aber hat ihn der Steuermann schon tätlich angegriffen, der Freund der Tochter Selbstmord begangen und die Jüngste an Bord allnächtlich traute Gespräche mit der Hexe geführt...

Während Oldman mit Brille über seiner sehr roten Nase (Absicht?) wenigstens authentisch den betulichen, unerschütterlichen Patron mimt, der sich beim Erreichen seiner Ziele nichts vormachen lassen will, ist die weibliche Hauptrolle mit Emily Mortimer schlichtweg schlecht besetzt: die Britin ist in Komödien und TV-Soaps deutlich besser aufgehoben als in einem Horrorfilm - sie gibt sich zwar sichtlich Mühe, doch ihre Rolle ist so angelegt, daß sie dem Zuschauer herzlich egal ist. Dasselbe gilt für das junge Pärchen oder den Steuermann - beliebige Figuren, die sich unauffällig bis klischeehaft verhalten. Da fällt es schon gar nicht mehr ins Gewicht, daß verschiedene leichte Kopfwunden inkonsistent geschnitten wurden (bei Sarah wie auch bei Lindsey) oder die seltsame Gallionsfigur der Mary kein bißchen zum sonstigen Aufbau der Jacht passt und nur für das Drehbuch auf den Bug geklebt erscheint...

Während es zumindest an der Kameraführung nicht allzuviel aussetzen gibt, ist es vor allem das Drehbuch, das die Hauptschwächen dieses mit geringem Budget gedrehten Streifens offenbart: Sarah als Überlebende des Dramas erzählt die ganze Geschichte in langen Rückblenden - und jedesmal, wenn etwas "passiert", springt die Szenerie wieder ins Verhörzimmer des FBI, wo eine Beamtin nicht recht glauben will, was ihr da für Seemannsgarn aufgetischt wird (sie hält Sarah der Sachlage entsprechend für eine Mörderin) - diese Zeitsprünge sind ein dramaturgisches No-Go: jedesmal wird eine zart aufkeimende Spannung somit sofort wieder erstickt. Als einer von mehreren losen Fäden wird ein Seitensprung Sarahs angeführt, der für eheliche Spannungen gesorgt hatte - aber dieser, wie auch ein paar wenige andere Subplots verlaufen letztendlich im Nichts, genauso übrigens wie erwartbare Erklärungen für die ominöse Hexe. Stattdessen versuchen immer wieder eingestreute Jump-Scares billigster Machart - inklusive lauter Soundkulisse - vergeblich für Gänsehaut zu sorgen - aber im Grunde dümpelt eine unausgereifte Geschichte nur träge vor sich hin.
Das Böse lauert unter der Oberfläche - nein, hier lauert nur grenzenlose Langeweile unter der Oberfläche: 2,6 Punkte.

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