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Sergej Chekov reist in eine entlegene Berggegend, um das Erbe seines verstorbenen Onkels anzutreten. In dem Bergdorf angekommen wird er gleich mit diversen Seltsamkeiten konfrontiert. Die Einheimischen raten ihm des Nachts nicht das Haus zu verlassen, weil sich bei Dunkelheit sonderbare Dinge zutragen. Auf dem Friedhof entdeckt Chekov eine erhängte Frau (seine Cousine, wie sich bald später herausstellt), was aber keinen zu interessieren scheint. Zuflucht findet Chekov in der Burg seiner Tante, der Gräfin und Witwe des verstorbenen Onkels. Doch die unheimlichen Vorkommnisse reißen nicht ab. So betreibt die Gräfin Schwarze Magie und im Keller experimentiert ein Wissenschaftler an der Wiederbelebung toter Körper…

„…Also, dann geht auf dem Friedhof nicht alles mit rechten Dingen zu!“

Die in den frühen 1970ern realisierte, spanische Horrorproduktion TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER ist Eurotrash in Reinkultur. Die prunkvoll ausstaffierten Settings lassen aber durchaus Spukschloss-Atmosphäre aufkommen. Kronleuchter, Kerzenständer, Sarkophage, vermoderte Friedhöfe und dunstige Katakomben – alles ist schön düster und schummrig, sodass die Vergleiche zu Gothic-Horror im Stile von Jean Rollin nicht von der Hand zu weisen sind.
Diese Billigproduktion besticht jedoch zusätzlich mit einer saftigen Prise Blödheit in Form von dummdreisten Dialogen und aberwitzigen Charakteren. Eine nymphomanische Witwe mit Hang zu Schwarzer Magie. Ein Wissenschaftler, der im Keller „Frankenstein“ spielt und an Toten herumexperimentiert. Chekov, der alleiniger Erbe, sieht aus wie Chuck Norris mit Prinz-Eisenherz-Frisur. In einer für seine Verhältnisse relativ kleinen Nebenrolle untergebracht: Paul Naschy, der Star des spanischen 70er-Jahre-Horrors, bekannt aus STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN, BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL und BLUTRAUSCH DER ZOMBIES. Er spielt Igor, einen nekrophilen Totengräber, der mit Leichen kuschelt. Er wird gegen Ende einen Kopf kürzer gemacht (einzig nennenswerter FX des Films).

Gepaart wird dieses „Dracula“-Ambiente mit ordentlich Schmuddelerotik, viel Donner und Wolkenbruch und Zombies im Look von LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN, welche aber erst recht spät auftauchen. Sie tragen Pathologie typische Y-Schnitte, vernähte Schädeldecken und schwarze Augenringe. Schön stimmig!
Der Streifen schlägt trotz (oder vielleicht gerade wegen) seiner beißenden Schrulligkeit und diverser Sinnlücken voll und ganz in seinen Bann und unterhält von Anfang bis Schluss. Die düstere Bergkulisse und die Spukschloss-Atmosphäre wissen zu überzeugen. Nicht nur Naschy, sondern alle beteiligten Darsteller liefern saubere Arbeit ab.

„Dieser Igor muss entweder pervers oder geisteskrank sein. Aber das eine schließt ja das andere nicht aus.“ (…)
– „Igor ist also ein Nekrophiler! Ein Leichenschänder! Welch eine Blamage für unsere gesamte Gesellschaft!“

Fazit:
Eurotrash Deluxe! Absoluter Edelschund!

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