Rastlose Leere
Two-Lane Blacktop ist ein Film seiner Zeit. Einer Zeit, in der man nur ein gefeierter Rockstar sein musste um eine Rolle in einem Film zu bekommen. So geschehen mit James Taylor (o. k., den kennt heute außer einiger Countryfans kein Schwein mehr) und Dennis Wilson von den Beach Boys.
Beide liefern sich mit Charakterkopf Warren Oates, der besondere Berühmtheit durch seine Rollen in Sam-Peckinpah-Streifen erlangt hat, ein Rennen quer durch die USA. Auf dem Rücksitz der beiden ersten Herren: eine achtzehnjährige Laurie Bird, welche später nur noch durch ihren traurigen Suizid in Art Garfunkels Wohnung in der Presse auftauchen sollte...
Nun könnte man so etwas wie einen launigen Rennfilm erwarten, rasant gefilmt und geschnitten mit dem Soundtrack der frühen Siebziger...
Vielleicht etwas Humor...
Doch Achtung: statt Nähe zu Ein ausgekochtet Schlitzohr oder gar Auf dem Highway ist die Hölle los gibt es zahlreiche Überschneidungen mit Antonionis fünf Jahre zuvor erschienen Meisterwerk Blow Up.
Hier wie dort wird ein populäres Genre als lediglich als Maskierung für ein profundes Drama eingesetzt.
Hier wie dort stecken Tiefe und Substanz in den agierenden Personen und nicht in ihrer Umwelt.
Hier wie dort spielen Langeweile, Lebenssinn und innere Leere eine zentrale Rolle.
Die Personen in Two-Lane Blacktop sind rastlose Gestalten; Getriebene die kaum beziehungsfähig sind, auch wenn sie sich danach sehnen.
Sie sind im Sinne der Hippies frei. Doch sie sind süchtig nach der Bewegung, der Geschwindigkeit.
Oates lebt durch offensichtliche Selbsttäuschung und den Lügen, durch die er bei Anhaltern, welche er entlang des Weges begierig aufnimmt, Eindruck schinden will.
Taylor und Wilson leben nur für das Rennen, für die nächste Herausforderung.
Am Ende steht eine brilliante Auflösung: der Film verbrennt im Projektor, bevor seine Geschichte ganz erzählt zu sein scheint.
Das große Rennen ist noch nicht mal ansatzweise zu Ende. Ein langer Weg liegt noch vor den Protagonisten.
Wie der Mord in Blow Up, so gerät auch das zentrale Motiv in Asphaltrennen in Vergessenheit. Ein Rennen quer durch die Staaten.
Wer nur einen Rennfilm erwartet hat, ist nun wohl bitter enttäuscht.
Wer Einblicke in die Seelen dreier Aussenseiter werfen wollte, wurde jedoch gut bedient.
Fazit: Two-Lane Blacktop ist ein komplexer Film über Sehnsucht und Freiheit, der in fast jeder Szene sein Potenzial gut ausspielt. 8/10