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Bei dem vergleichsweise reißerischen Titel ließe sich eine typische Produktion von SyFy oder Asylum vermuten, doch weit gefehlt. Schon allein, weil der Kern der Geschichte auf dem verheerenden Erdbeben vom 7. Dezember 1988 im Norden Armeniens basiert, bei dem mindestens 25000 Menschen ums Leben kamen. Folgerichtig fokussiert sich Regisseur Sarik Andreasyan nicht vordergründig auf die Effekte, sondern auf Einzelschicksale im damaligen Spitak.

Ein kalter Dezembervormittag im Kaukasus, 1988: Der ehemalige Architekt Konstantin verbüßte acht Jahre Haft wegen eines tödlichen Autounfalls. Als er in seine Heimat im Norden Armeniens zurückkehrt, sieht er vom Flugzeug aus, wie ein Erdbeben Ortschaften in Schutt und Asche legt. Er bietet sich als Ersthelfer an und begegnet dabei Robert. Jenem jungen Mann, der einst bei einem Autounfall seine komplette Familie verlor…

Der Handlungsstrang mit dem Autounfall und der zufälligen Begegnung wirkt insgesamt ein wenig konstruiert, er dient jedoch als roter Faden und offenbart, wie beinahe nebensächlich die Vergangenheit erscheinen kann, wenn in der aktuellen Situation jede helfende Hand gebraucht wird. Etwas oberflächlich werden weitere Figuren eingeführt, wodurch der Zugang erst im Verlauf ermöglicht wird. Wie etwa der Fall des grummeligen Erem, der einen Groll gegen seinen Schwiegersohn hegt und damit auch seine hochschwangere Tochter vergrault. Die Nebenhandlungsstränge mit Plünderern und einem französischen Helfer hätte es da gar nicht gebraucht.

Das Erdbeben selbst wird kurz aber heftig mit grundsoliden CGI abgehandelt, wobei der Fokus auf einzelne Straßen und Gebäude gerichtet ist und die Kamera nur ab und an die komplette Tragödie aus der Luft bebildert. Reißende Straßen, herab fallende Decken und die anschließenden Trümmerlandschaften sind sauber und vor allem glaubhaft in Szene gesetzt, an der Ausstattung, nebst alten Fahrzeugen, Klamotten und entsprechenden Bauten ist nichts auszusetzen. Und auch das Make-up arbeitet mindestens passabel, wobei schlimme Verletzungen weitgehend ausgeklammert werden und man hinsichtlich der wahrlich hohen Opferzahl nicht allzu viele Tote zu Gesicht bekommt.

Fluch und Segen ist indes der Score. An sich wunderschön komponiert mit vielen Streichern und Piano bietet er einige recht eingängige Themen, doch die permanente Beschallung ist zuweilen drüber und unterstreicht auf Dauer zuviel Pathos. Zumal die Mimen durch die Bank überzeugende Leistungen abliefern und die Situation per se Empathie schürt.

Dennoch bietet das Erdbebendrama einen kleinen Einblick in Einzelschicksale, die stellvertretend für viele kleine Dörfer im Kaukasus waren. So schwingt trotz der Katastrophe immer ein leiser Hoffnungsschimmer mit und untermauert, dass Menschen in ihrem starren Denken oft falsch liegen und es manchmal beinahe zu spät ist, Fehlverhalten zu korrigieren.
„Earthquake – Die Welt am Abgrund“ ist nicht vergleichbar mit teurem Hollywood-Bombast und Nonstop-Action, denn die wäre hier auch nicht angemessen gewesen. Ein eher leiser Film mit grundsolider Ausstattung, passablen Effekten und einigen emotionalen Momenten, die auf Grundlegendes besinnen lassen.
7,5 von 10

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