Nachdem das chinesische Ärztepaar Laura und Patrick Chen dem Börsenprofi Mike in einem großen US-Krankenhaus bei einer Notoperation das Leben gerettet und dieser sie zum Dank auf einen Jagdausflug in seine einsam gelegene Waldhütte eingeladen hat, findet zeitgleich eine von langer Hand geplante Gefangenenbefreiung statt, in dessen Folge sich der durchführende Trupp Verbrecher zu Fuß bei ebenjenem Wochenendhaus einfindet. Mangels fahrbarem Untersatz, der in dieser Wildnis erst mühsam herbeigerufen werden muß, müssen es die drei Erstgenannten eine zeitlang als Geiseln der ungebetenen Besucher aushalten, was aufgrund von deren teilweiser Undiszipliniertheit schnell zu Verlusten führt: während beide Männer ausgeschaltet scheinen, bleibt nur noch die chinesische Ärztin Laura (Zhu Zhu) übrig. Wird sie die Stunden, bis das halbe Dutzend Verbrecher von deren Verbündeten abgeholt wird, lebend überstehen?
Ein Blick auf den Cast dieses Home-Invasion-Thrillers weckt Erinnerungen an die Prison Break-Serie, laufen hier mit Robert Knepper, Amaury Nolasco, Jodi Lyn O'Keefe (bei den Banditen) sowie Rockmond Dunbar (Börsenprofi Mike) doch einige Hauptdarsteller der Gefängnis-Ausbruchs-Serie auf, die mit der Kaperung und Versenkung eines Gefängnis-Busses zu Beginn auch ein wenig auf den Spuren des bekannten US-Franchise´ wandeln; auf der anderen Seite - der guten Seite - haben wir das vollkommen unbekannte chinesische Pärchen, das gegen die Gangster (unter der Führung von Robert Patrick) einen schweren, wenn nicht gar aussichtslosen Kampf führt. An sich also eine durchaus spannende Konstellation, auch wenn die Ausgangslage außerordentlich konstruiert scheint - denn dem totgeglaubten, in Wahrheit jedoch "nur" schwer verletzten Patrick Chen (Lin Shen) gelingt es mit Ausdauer und auch einigem Glück, einige der Schwerverbrecher unschädlich zu machen.
Der Film spielt in der Hauptsache in und um das splendide Jagdhaus, wobei hier viel Zeit und Kameraarbeit auf Details (vergifteter Whisky, Funksender, beschriebene Papierserviette etc.) wie auch auf die Charakterisierung der Darsteller verwendet wird. In angemessenem Erzähltempo wird das Spannungsfeld zwischen den einzelnen Gangstern (z.B. das zerstrittene Pärchen, das im Obergeschoß eine Nummer schieben will), der weiblichen Geisel und ihren Bewachern (die ständig zwischen Kooperation und Widerstand changierende Laura) sowie des zunächst unbemerkt agierenden (weil für tot gehaltenen) Arztes beleuchtet - zu gefallen wußten hierbei neben dem anfangs befreiten und sich als Gentleman (mit leider viel zu wenig Screentime) deklarierenden Victor (Robert Knepper) auch der stets fokussiert auftretende Killer Worm (Andy Mackenzie) als "Mann fürs Grobe".
So sehr es dem Drehbuch auch gelingt, diesen Plot ohne allzu große Logiklöcher zu erzählen (weswegen einer der Gangster völlig folgenlos einer Rotweinspur gefolgt ist und sich kurze Zeit später so mir nichts dir nichts von einem Van überfahren läßt lassen wir mal unbeachtet), so ungewöhnlich erscheint die Perspektive des schmächtigen "Davids" Patrick, der - noch dazu verletzt - eine ganze Reihe "Goliaths" auszuschalten vermag, bis sich die Geschichte am Ende auf eine Konfrontation zwischen den übrig gebliebenen Gangstern zuspitzt (welche dies sind, ist zumindest einigermaßen vorhersehbar). Trotzdem er sich redlich bemüht, vermag Lin Chen als Mann ohne Eigenschaften, der mehr oder weniger die ganze Story trägt, allerdings nicht so recht zu überzeugen, was wohl zum Großteil daran liegt, dass man ihm das was er tut irgendwie nicht zutrauen mag/kann. Vielleicht ist das Ganze auch ein Versuch der Produktionsgesellschaft, sich am chinesischen Markt zu platzieren. Wie auch immer: Edge of fear, so der anspruchslose Originaltitel (auf deutsch ziemlich sinnfrei mit Am Rande der Angst übersetzt) bietet zumindest solide abgefilmte Thriller-Kost ohne allzu große Überraschungen. 5,51 Punkte.