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John und George McIntire, zwei naive Brüder aus dem Osten, besuchen ihren im rauen Westen lebenden Vater. Schon bei der Ankunft geraten sie in Schwierigkeiten. Ein Camposanto genannter wortkarger Fremder hilft ihnen aber. Als die Brüder sich ahnungslos einer erpresserischen Bande entgegenstellen, nimmt er sich ihrer an. Er bringt ihnen das Schießen bei und unterstützt sie, sich gegen die skrupellosen Schurken zu behaupten. Doch als diese einen alten Bekannten von Camposanto anheuern, spitzt sich der Konflikt zu.


Aufgrund des englischen Titels bin ich mit falschen Erwartungen an They Call Him Cemetery herangegangen. Dabei hätte mich der deutsche Titel schon durch das enthaltene Halleluja warnen müssen. Zum Glück hat die Warnung nicht funktioniert, sonst wäre mir eine tolle Italowestern-Komödie entgangen. Aber wenn ich mich auskennen würde, hätte mich der Name des Autors gleichermaßen warnen können. Immerhin zeichnete Enzo Barboni später auch für die Trinity-Westernparodien verantwortlich. Doch nach dem ersten erschreckten Augenrollen und dem panischen Griff zur Fernbedienung fand ich schnell meine Fassung wieder und habe den Film wirklich genossen.


Die Story mutet klassisch an. Zwei Greenhorns geraten direkt in Schwierigkeiten, legen sich ahnungslos mit Gegnern an, denen sie nicht gewachsen sind, und begegnen einem mysteriösen Fremden, der eine Schuld zu begleichen hat. Aber sie ist clever inszeniert. Einige Hintergründe erschließen sich vagen Erzählungen und Bildkompositionen und manche Klischees wie das des gefühlskalten Auftragskillers werden genüsslich aus den Angeln gehoben. Genug Anlass für Action und komödiantische Einlagen. Letztere sind teils subtil, teils nah am Slapstick, werden aber nie vollkommen albern. Zudem ist das Drehbuch reich an spritzigen Dialogen zwischen Gianni Garko und William Berger und wird von klassischen Duell-Momenten abgerundet. Der Film verzichtet zwar auf tiefgreifende psychologische Charakterstudien, bietet aber eine abwechslungsreiche und stets bewegte Geschichte.


Gianni Garko ist als Camposanto prägnant besetzt. Seine Ausstrahlung, sein Blick und die Ruhe strahlen Erfahrung und tödliche Effizienz zugleich aus. Garko baut hier auf sein Image aus früheren Rollen auf und verleiht dem geheimnisvollen Fremden genau jene Mischung aus Coolness und stoischer Kompetenz, die das Genre liebt.
William Berger als Duke ist der passende Gegenpart. Er ist charismatisch, abgeklärt und gleichzeitig ein ernstzunehmender Schütze. Die Chemie zwischen den beiden trägt allein schon einen großen Teil des Films.
Die beiden weniger erfahrenen McIntire-Brüder und ihre beiden mexikanischen Sidekicks funktionieren perfekt als krasses Gegenteil zu Berger und Garko. Sie sind naiv, unbedarft und tollpatschig und doch sympathisch genug, um die Entwicklung ihrer Figuren gern mitzuverfolgen.

Carnimeo inszeniert mit sicherer Hand. Die Kamera fängt die staubige Stadt, die bedrohten Rancher und die Landschaft stimmungsvoll ein. Bruno Nicolai sorgt für einen Score, der den Film angenehm durch die gut anderthalb Stunden begleitet.
Die Actionszenen sind ohne übermäßige Gewalt choreografiert, aber effektiv und mit viel Drive inszeniert. Hier und da sorgt ein kurzer humorvoller Einschub für Auflockerung, ohne die Grundstimmung des Klassikers durch allzu grobe Albernheiten zu verwässern. Einer der humorvollsten Momente gehört dem Richter, der sich durch eine Saloonschlägerei kaum von seiner Gesetzeslektüre ablenken lässt. Humor in Gold.


They Call Him Cemetery ist kein revolutionärer Italo-Western, aber ein charmanter Vertreter des Genres. Er verbindet klassische Spaghetti‑Western‑Elemente mit einem angenehm flotten Erzählfluss, soliden Duellen und einem einnehmenden Cast. Fans des Stils bekommen hier eine unterhaltsame Mischung aus Action, Western und leichter Ironie, die sich gut anschauen lässt und für gute Stimmung sorgt.
Ein schmissiger Italowestern mit Charakter, Witz, Greenhorns, Sidekicks und genug Schießereien für einen vergnüglichen Filmabend.


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