Review

Es ist ein ausgeprägter Trend, Filme so aussehen zu lassen, als wären sie bereits vor Jahrzehnten entstanden. Die argentinischen Brüder Luciano und Nicolás Onetti versuchten sich bereits zweimal an einer Hommage an den Giallo, mit „Abrakadabra“ gelingt ihnen zumindest auf audio-visueller Ebene eine authentische Zeitreise in die Gefilde des Italo-Krimis.

Vor dreißig Jahren wurde Lorenzo Zeuge, wie sein Vater, ein Magier, während der Show umgebracht wurde. In dessen Fußstapfen getreten, geschieht kurz vor der Premiere ein Mord, der an die Zaubertricks des Magiers angelehnt ist. Schnell wird Lorenzo zum Verdächtigen, der auf eigene Faust versucht, Licht ins Dunkel zu bringen…

Die Onettis dürften ihre Vorbilder, - Dario Argento, Mario Bava und Sergio Martino ziemlich genau studiert haben, denn der 1981 angesiedelte Streifen könnte tatsächlich zu jener Zeit entstanden sein. Übersättigte Farben, zahlreiche Nahaufnahmen, schräge Kamerawinkel und Musikuntermalung der Marke 70er verleihen dem Treiben eine sehr authentische Note. Sogar die Synchro spielte mit und wurde bewusst dumpf abgemischt, - mal gut, dass die wenigen Dialoge eher untergeordnet sind.

Die Handlung besteht hingegen aus typischen Versatzstücken des Genres und ergibt zuweilen wenig Sinn oder wurde mit ungünstigen Schwerpunkten angereichert. Lorenzo, der zu Alkohol und Glücksspiel neigt, ist einem derweil völlig gleich, da sich keine wirkliche Persönlichkeit erschließt. Wenn er im Zeitungsfundus recherchiert, trägt dies immer noch mehr zur vagen Handlung bei, als wenn er in einer Spelunke versackt oder ausgiebig dem Kartenspiel frönt.

Bis auf den Einsatz einer Mini-Guillotine fallen die wenigen Ableben eher unspektakulär aus, Blutvergießen wird nur bedingt zelebriert und auch Nacktszenen halten sich sehr in Grenzen.
Gegen Ende wird versucht, eine Überraschung aus dem Hut zu zaubern, doch die Auslösung ist aufgrund diverser Hinweise früh offensichtlich, zumal der Kreis der Verdächtigen recht überschaubar bleibt.

So verlässt sich die Hommage zu sehr auf ihr visuelles Flair, der Hokuspokus um den verdächtigen Magier verkommt zu einer zähen Geduldsprobe, die sich trotz der kurzen Laufzeit von 69 Minuten deutlich länger anfühlt. Giallo-Fans könnten aufgrund des Retro-Looks feuchte Augen bekommen, für alle anderen dürfte der Stoff untauglich sein.
3,5 von 10

Details
Ähnliche Filme