Review
von Leimbacher-Mario
Alles nur Ablenkung
„Abrakadabra“ von den beiden Onettis knüpft an deren (ebenfalls für mich versagenden) Giallo-Hommagen „Francesca“ und „Sonno Profondo“ an, wobei man fast das Wort „Hommage“ weglassen kann, da das hier alles schon sehr „echt“ und authentisch wie damals wirkt, fast wirklich ein „vergessener Film“ sein könnte. Nur eben mit einem fetten Haken, egal ob neu oder alt, als Original oder Verbeugung: es wäre so oder so kein guter Vertreter seiner Gattung, kein guter Film. Erzählt wird in dem immerhin audiovisuell virtuosen Krimi von einem Zauberer, dessen Vater vor drei Jahrzehnten bei einem Unfall auf der Bühne ums Leben kam. Und nun häufen sich auch in seinem Umfeld die mysteriösen Todesfälle…
Was können die Onettis, was macht „Abrakadabra“ gut? Er sieht verdammt fein und wie „der Stoff von damals“ aus. Der Score klimpert sich in mein Herz, der Look ist ein Augenerguss, die Story kommt schon hin in ihrer Nebensächlichkeit. Der Film ist auch super kurz und die Darsteller nicht fehl am Platz. Außerdem sieht das deutschsprachige Mediabook edelst aus. Doch was macht „Abrakadabra“ nicht gut und das chice Mediabook demnach kaum empfehlenswert? Er versagt für mich vor allem darin, unsere Neugier, Konzentration und Spannung hoch zu halten. Die Kills halten blutigerweise nicht, was man sich verspricht. Es kommen für diese Laufzeit sehr schnell Leerlauf und Langeweile auf. Der finale Kniff, gefühlt schon über den plötzlichen Abspann, ist eher eine kreative Bankrotterklärung. Oder alternativ ein dicker Mittelfinger ans Publikum. Insgesamt guckt man lieber nochmal ähnlich Klassiker wie „Theater of Blood“ oder „Dr. Phibes“. Oder eben etwas von Argento oder Fulci. Das hier wirkt inhaltlich und seelisch irgendwie viel leerer und platter. Wie ein Versuch, kein Können. Und trotz der optischen Finesse auch in dieser Kategorie ziellos angeordnet. Ohne Fingerspitzengefühl oder echtes Talent. So böse sich das auch anhört.
Fazit: stilvoll, lustvoll, seinen Vorbildern audiovisuell unfassbar nah. Und dennoch im Endeffekt nur ein Schnarcher, der auf allen anderen Ebenen massiv enttäuscht und im besten Fall noch einlullt. Und das bei gerade mal 62 Minuten Nettolaufzeit. Das ist deutlich zu wenig - egal wie „herb-hübsch“ das ausschaut.