„Es ist höchste Zeit, ein Exempel zu statuieren!“
Italo-Regisseur Stelvio Massi („Kommissar Mariani - Zum Tode verurteilt“) gilt als Actionspezialist und hat u.a. gern und oft mit Maurizio Merli zusammengearbeitet, der regelmäßig den italienischen Selbstjustiz-Bullen verkörperte. Im Jahre 1976 gelang Massi mit „Die Killer der Apocalypse“ jedoch ein gesellschaftskritischer Poliziesco, der eher an die intelligenten Filme eines Damiani erinnert als an die actionbetonten Genrebeiträge eines Lenzi oder Konsorten.
Pate Don Antonio wird vom blinden Mafiaoberen Dante Ragusa (Lee J. Cobb, „Der Exorzist“) liquidiert, der Prozess gegen Ragusas Bruder Nino (Alfredo Zammi, „Blutiger Schatten“) platzt, weil die einzige Zeugin eingeschüchtert wird. Einmal mehr muss die Justiz machtlos mitansehen, wie sie keine rechte Handhabe gegen die Umtriebe der Mafia hat. Kommissar Jacovella (John Saxon, „A Nightmare on Elm Street“) hat längst das Gesetz in die eigene Hand genommen und gilt als Hardliner, der mit fragwürdigen Methoden gegen Verbrecher vorgeht. Kritisch beäugt wird dies von Verleger Maselli (Renzo Palmer, „Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?“), der Jacovella aufgrund dessen Vorgehensweise auf dem Kieker hat. Als der Kleinkriminelle Antonio Blasi (Lino Capolicchio, „Das Haus der lachenden Fenster“) in erster Linie aus Armut einen Banküberfall begeht, dabei im Affekt einen Polizisten erschießt und anschließend zu allem Überfluss das Auto Nino Ragusas zu Fluchtzwecken stiehlt, in dem belastendes Material in einem Koffer bereitliegt, gerät Blasi zwischen alle Fronten…
Massi holt in „Die Killer der Apocalypse“ zu einem kräftigen Rundumschlag aus, wenn der Kleinkriminelle mit dem klangvollen Namen Antonio Blasi zwischen Jacovella und dessen Prügel- und Folterbullen, dem sich eine Privatfehde mit Jacovella auf dem Rücken moralischer Entrüstung über dessen Methoden liefernden Verleger Maselli sowie dem skrupellosen, brutalen Ragusa-Mafia-Clan förmlich zerrieben wird. Sämtliche Positionen werden hier kritisch hinterfragt und auch die Politik kommt nicht ungeschoren davon, denn im Koffer – jenem Gegenstand des Mafia-Interesses – befindet sich auch Material, das einen Minister alles andere als gut dastehen lässt. Am ehesten schlägt man sich auf die Seite Blasis, der trotz der Tötung eines Polizisten am wenigsten kalkuliert, sondern aus dem Bauch heraus handelt und letztlich die nachvollziehbarsten Motive aufzuweisen hat. Polizei und Presse behindern sich quasi gegenseitig und müssen schließlich doch vor der Ausweglosigkeit bei Konflikten mit der Mafia weitestgehend kapitulieren.
Nach einer gesungenen Titelmelodie reicht der Soundtrack von funkigen Jazzklängen bis hin zu melancholischen Klavierarrangements. Massis Bildsprache ist deutlich, ungeschönt und wenig künstlerisch, einige Stunts, Schießereien und andere Action-Zutaten lassen den Stoff nie verkopft oder langatmig erscheinen, der dramaturgisch stringent aufbereitet wurde und ein beträchtliches Maß an Spannung entwickelt. Genrefilm-Tausendsassa John Saxon als raubeiniger, längst mit seinem Zynismus kämpfender Kommissar Jacovella, Renzo Palmer als Verleger zwischen Moralismus und knallharten wirtschaftlichen Interessen, Lee J. Cobb als alternder, doch alles andere als altersmilder Mafioso mit minimalistischer und dadurch unheimlicher Ausstrahlung sowie Lino Capolicchio als erbarmungswürdiger, zum Scheitern verurteilter Blasi führen durch diese pessimistische Momentaufnahme der italienischen Gesellschaft, an deren beeindruckendem, konsequentem Ende es keinen Gewinner gibt. Damit gelingt es Massi, den Zuschauer zu berühren und zum Nachdenken insbesondere über plakativ kolportierte Positionen anzuregen – weder künstlerisch sonderlich herausragend, noch erzählerisch von epischer Auswalzung, sondern in Form eines nur oberflächlich betrachtet schlichten, ungeschliffenen Genrefilms, der mir gerade in seiner scheinbaren Unkalkuliertheit und ungemütlichen Rauheit ausgesprochen gut gefällt und positiv überrascht hat. Von reaktionärer Selbstjustiz-/Superbullen-Propaganda oder populistischem Stammtischkino keine Spur. Eine schöne Symbiose aus den Zuschauer abholenden Themen, bewährten, unterhaltsamen Genrezutaten und inspirierender, Fragen aufwerfender Aussage, zudem überaus stimmig besetzt und gut geschauspielert.