Maurizio Merli und ich wären zu dessen Lebzeiten bestimmt keine Freunde geworden: als Ex-Punk, Linker und entschiedener Gegner von Polizeigewalt und anderer Beamtenwillkür hätte das als erzkonservativ geltende Ein Mann-Schnauzenpoliturunternehmen aus Rom wahrscheinlich so laut die Leviten gelesen, dass es von meiner Wohnung aus bis Rom ein jeder vernommen hätte, was von Typen wie mir zu halten ist. Und dennoch:ich liebe den Kerl! Wenn der Römer Prachtschnauzer sich anschickt, Gangstern mit dem stählernen Pornobalken des Gesetzes das arrogante Lächeln aus der Fresse zu schmirgeln, dann stehe selbst ich stramm und lass die politische Korrektheit links liegen. Und ja, der war Absicht.
Mit "Convoy Busters" bin Ich ungefähr genau so lange nicht wahr geworden wie mit Merli selbst. Nun, nach Zweitsichtung, frage ich mich ernsthaft warum. Stelvio Massis Bleiballet hat alles, was ein solider Euroactionfilm braucht, minus der elenden Epilepsieschnitte und Schwarzpulverorgien, die heutiges Actionkino bis zur Handlungsleere durchsuchen. Plus: Stelvio-Doppelpenetration: Massi auf dem Regie Stuhl, Cipriani auf der Tonspur!
Und mal wieder ein Herr Merli, der sich nicht zu benehmen weiß: Kommissar Olmi ist die Art von Gesetzeshüter, die zuerst schießt und gar nicht fragt und für die die allgemeinen Menschenrechte eher eine lose Handlungsempfehlung sind. Bei seinen neuesten Mordermittlungen gegen einen korrupten Zollbeamten, der in Schmuggelgeschäfte verwickelt ist, wird dies dem diensthabenden Richter sowie dem Polizeipräsidenten mehr als deutlich.
Letzter ist allerdings heimlicher Merli Sympathisanten - so wie ich, nur mit Juraabschluss - und wendet die Strafversetzung zu Olmis Gunsten in genau das Küstennest, in dem Kartellboss Gorchi schaltet und waltet: Im Fußbalkstadion campierende Rocker, der Zoll, die örtlichen Fischereibetriebe, sogar die verdammten Schweine vom Privatfernsehen, alle sind sie in die krummen Geschäfte involviert! Wo andere Kommissare ihren Harry zum Wagenholen vorschicken ist Olmi sein eigener Panzer und sich vor allem nicht zu schade, sich die Hände schmutzig zu machen. Aber wie soll man das als Wanderhenker vom Dienst auch anders halten?
Bei Erstsichtung kam mir der Film sehr langatmig vor. Im Grunde genommen ist das aber nicht das Problem: Herr Massi hat sich hier und da lediglich an einigen Stellschrauben verdreht und die Gewichtung des Filmes, was Dramatik, Action und Atempausen angeht etwas durcheinander gebracht. Gerade in den ersten zwanzig Minuten passiert recht viel in recht schneller Abfolge, während in der zweiten Filmhälfte die Strafversetzung Olmis im Vordergrund steht und lange nichts passiert, das Finale wiederrum wirkt übereilt und zu kurz.
Was schade ist, weil mir die düstere Inszenierung durchaus gefällt: bei anderen Merlis hat man ja immer noch das Gefühl, dass der Tag gerettet ist, wenn der gerechte Zorn des Protagonisten abgeklungen ist. "Convoy Busters" gibt mir dieses "Alles ist gut" - Gefühl nicht und wenn der sichtbar bedröppelte Maurizio gen Abspann schleicht, dann zwar von Überlebenden Geiseln angehimmelt, aber doch total resigniert. Und dann dämpft er ab, wie ein Tropfen Gerechtigkeit auf dem heißen Stein des Unrechtes. Okay, ich hör auf damit. Nur noch soviel: die Filmmusik Stelvio Ciprianis trägt massiv zu der Stimmung bei, weil hier neben sleazigen-funkigen Melodien und idyllischen Klängen auch harte Synthesizer durch die Gehörgänge des Zuschauers schneiden. Es gibt ein, zwei Szenen, in denen Massi die Geräuschkulisse arg reduziert bzw. komplett verstummt und nur die Musik seines Namensvetters sprechen lässt. Besonders in den wenigen, aber wohl platzierten Zeitlupensequenzen entfaltet sich der Effekt.
"Convoy Busters" ist besser, als ich ihn in Erinnerung hatte: Für einen typischen Poliziotesco hat der Film eine interessante Handlung mit einigen cleveren Kniffen auf Lager. Mein Lieblingsmerli wird das hier vielleicht nicht mehr - den Titel wird der kernig betitelte "Die Gewalt bin ich!" auf Lebzeiten behalten -, aber wer sich ernsthaft mit der Filmographie des römischen Copaganda-Konigs auseinandersetzen will sollte neben den Lenzikollaborationen auf jeden Fall auch diesen hier gesehen haben. Der Mann, der sonst eher fürs Prügeln und pissig in die Kamera Starren bekannt ist beweist hier nebenbei bemerkt auch noch gleich, dass er schauspielern kann. Gerüchteweise sieht man ihn in diesem Film sogar ein paar Mal lächeln. Oder waren es gefletschte Zähne? Egal: schaut diesen Film!