„Wilkolak“, der polnische Begriff für den Werwolf, ist eine Genremischung, die von Drama, über Krieg hin zu Tierhorror bis Märchen reicht. In dem zweiten Spielfilm von Regisseur Adrian Panek findet sich viel, nur kein Fleisch gewordener Werwolf.
Polen, zum Ende des Zweiten Weltkriegs: Acht Jugendliche um Wladek, Hanka und Hanys werden aus dem Konzentrationslager befreit und zu einem verwaisten Landhaus gebracht. Hier gibt es weder Strom, noch fließendes Wasser und kaum Essensvorräte. Als diese beinahe aufgebraucht sind, belagern ehemalige Wachhunde der SS das Anwesen…
Die Mischung aus „Herr der Fliegen“ und „Cujo“ kommt sogleich zur Sache und veranschaulicht, wie entmenschlicht die Jugendlichen geworden sind, als die Gruppe früh eine Ratte umzingelt und diese im Kollektiv tötet. Speziell Wladek trägt ein schweres Trauma mit sich herum, er leidet sichtlich unter den Folgen im Lager, während sich die Gruppe zunächst noch über Kartoffeln und eine Dose Hundefutter freut.
Im Verlauf konzentriert sich die Handlung auf drei Personen, bei denen Eifersucht keine unwichtige Rolle spielt, während die übrigen Figuren allenfalls Beiwerk sind. Mit dem Auftauchen der Hunde kommt ein wenig Action ins Spiel, die Belagerung fördert durchaus einige spannende Momente zutage, zumal die Schäferhunde ordentlich dressiert wurden und das Timing meistens stimmt. Allerdings mangelt es diesbezüglich an Abwechslung, Situationen wiederholen sich, bevor im letzten Drittel eine leicht märchenhafte Komponente hinzu gefügt wird. Eines der Mädchen findet ein rotes Kleid gewiss nicht ganz zufällig.
Früh herrscht eine atmosphärische Dichte, die mit recht simplen Mitteln generiert wird: Das einsam gelegene, leicht heruntergekommene Anwesen, der angrenzende Wald, in dem sich ein Tunnelschacht befindet, die angemessene Kleidung und nicht zuletzt die durchweg überzeugenden Jungmimen sorgen für Authentizität, während sich der Score angenehm zurückhält und den natürlichen Umgebungsgeräuschen oftmals den Vortritt lässt.
Trotz der insgesamt eher ruhigen Erzählweise kommt regelmäßig Spannung auf, was nicht nur auf den Belagerungszustand zurückzuführen ist. Zwar schleichen sich hier und da kleine Logiklücken und leicht irrationale Verhaltensweisen ein, doch unterm Strich ergibt sich ein kurzweiliger Genremix, bei dem der Werwolf als Sinnbild deutlich mehr hergibt als ein schlecht animiertes Fellmonster.
7 von 10