Review

kurz angerissen*


Es ist inzwischen genug Zeit verstrichen, um das Transformers-Realfilm-Konzept als verrückte Schnapsidee der 00er Jahre einzuordnen, die sich irgendwie bis zum heutigen Tag durchgemogelt hat. Im Laufe der 10er Jahre wurde sie zu einem Running Gag ausgearbeitet, der immer konfusere Formen annahm, bis sich selbst heißblütige Verfechter der Bay'schen Metallschäden in der Schere zwischen primitiver Kinderunterhaltung und rezeptiver Überforderung nicht mehr wohl fühlten. Dass der erstmalige Wechsel auf dem Regieposten mitsamt eines zeitgemäßen (was heute bedeutet: 80er-retrospektiven) Neuanstrichs alle vorherigen Teile der Reihe fast mühelos auf die Plätze verweist, ist insofern weniger ein Meisterstück von Travis Knight als vielmehr das Resultat einer inzwischen bloß noch kniehohen Herausforderung.

"Bumblebee" macht jedenfalls gerade in Sachen Dosierung und Abmischung eine gute Figur, auch wenn sie neben Bays Zerrspiegel besonders schmeichelhaft ausfällt. Folgt man dem Kanon, handelt es sich bei diesem ersten Spin-Off der Reihe allerdings um ein actionarmes Coming-Of-Age-Drama mit Comedy-Elementen. Selbst wohlwollende Kritiken suggerieren dadurch, dass ihnen jetzt, da Bay weg ist, die Bay-Zutaten irgendwie doch fehlen. So ist das mit dem Kurzzeitgedächtnis: Einmal aus der Hölle entflohen, erscheint diese plötzlich wie ein wonniges Kaminfeuer.

Dabei entspricht die konstatierte Action-Armut vielleicht den gefühlten, keineswegs aber den realen Tatsachen. In Wirklichkeit gibt es reichlich auf die Metallmütze, begonnen schon bei der brummkreiselnden Auftaktsequenz auf dem Heimatplaneten. Hier werden die Schauwerte einer explodierenden Platine demonstriert, betrachtet durch ein Mikroskop. Was sich später auf der Erde an Robo-Action abspielt, mag nicht ganz so größenwahnsinnig und detailverliebt sein wie das, was Bay stets wie ein Dirigent mit Kurzschluss zu konstruieren pflegte, im Umkehrschluss macht Knight uns aber das Geschenk der Übersicht, so dass man letztlich von jeder der kleinen Bälgereien mit der Hummel mehr hat als von dem gesamten rotierenden Irrsinn der letzten Optimus-Prime-Schlachten.

Die 80er-Patina sorgt außerdem dafür, dass man die Roboter eher als das nehmen kann, was sie idealerweise immer hätten sein sollen; emotionale Projektoren für ihre menschlichen Bezugspersonen nämlich. Darunter profitieren auch viele der Darsteller, vor allem natürlich Hailee Steinfeld in der Hauptrolle; aber auch Jorge Lendeborg Jr. als ihr treuer Begleiter, Pamela Adlon als ihre besorgte Mutter und nicht zuletzt John Cena, der sich in Hollywood inzwischen fast exklusiv die Nische der G.I.Joe-Karikatur zu eigen gemacht hat, wo er sich augenscheinlich auch ziemlich wohl fühlt.

Schwierig wird es dann, wenn es die Originalität zu bewerten gilt. "Bumblebee" ist ebenso ein Produkt seiner Zeit wie es damals der allererste "Transformers" war; womöglich wird man sich in einigen Jahren (wenn nicht jetzt schon) darüber lustig machen, wie das Kalkül in die Design-Entscheidungen einfließt, mit dem die zahlende Kundschaft an ihrer sensiblen Seite gepackt werden soll. Der gesamte Aufbau besteht aus vorgefertigten Modulen, die eigentlich nur noch fachkundig zusammen gesetzt werden müssen. Das immerhin gelingt Knight; während der Klassenrowdy in der Krabbelgruppe riesige Legotürme baut, nur um sie mit einem Baseballschläger wieder abzureißen, hat der Neue Freude daran, neben dem eigentlichen Spielzeug auch das stimmungsvoll in Szene gesetzte Produktbild auf der Verpackung nachzubauen. Auch wenn das immer noch Malen nach Zahlen ist - zumindest kommt dabei ein wenig Stimmung auf.


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