Staffel 1
Im All hört dich niemand bingen
In der (mittlerweile abgesetzten bzw. nicht verlängerten) YouTube-Serie „Origin“ gerät eine Besiedlungsmission zu einem weit entfernten, erdähnlichen Planeten in Schieflage, als das riesige Raumschiff von einem Asteroiden getroffen und beschädigt wird. Doch die wahre Gefahr geht von einem außerirdischen Organismus aus, den dieser mitgebracht hat und der Menschen unbemerkt als Wirte nehmen kann, sodass die übrige Crew bzw. Besatzung schnell nicht mehr weiß, wem sie vertrauen kann und wem nicht...
Allzu viele hochwertige Sci-Fi-Serien gibt es nicht, sodass ich in meinem YouTube-Premium-Probemonat um „Origin“ natürlich nicht herum kam. Und auch wenn die Produktion definitiv Schwächen hat und ganz sicher weder an seine klaren Vorbilder noch an Klassenprimusse ala „The Expanse“ oder „Battlestar Galactica“ heranreicht, kann man diese zehn jeweils knapp unter einer Stunde laufenden Episoden schon angucken und genießen, ohne es zu bereuen. Hier alles, was ich top und flop finde:
TOP
+ viele Anleihen und Ideen großer Sci Fi- und Horror-Klassiker
+ die Qualität der Effekte
+ das Design des Raumschiffs
+ „Harry Potter-Connection“
+ sehr solide Darsteller; bunter, internationaler Cast
+ letzten zwei Folgen kommen (endlich) zum Punkt
+ der Look und die Hochwertigkeit der Serie (besonders in 4K)
+ ein paar härtere und ekligere Ausschläge (Gehirn-OP)
+ ein wenig „Lost“-Feeling (vom Aufbau her)
+ ambitioniert und sicher nicht allzu günstig
+ Rückblenden auf die Erde haben einige nette, futuristische Gadgets und Ideen; genug verschiedene Schauplätze von Berlin bis Tokio
+ Shun ist badass
+ einigermaßen starke Frauenrollen
+ selbstverständlicher Umgang mit Bisexualitä
+ tolle, philosophische und unerwartete Ansätze in der letzten Folge (wenn es um das Bewusstsein und Denken der anderen Spezies geht bzw. das Verschmelzen dieser mit den Menschen)
FLOP
— wenig bis gar keine eigene Ideen
— läuft zu spät zu Höchstform auf, plätschert zu lange vor sich hin
— Hintergrundgeschichten der einzelnen Figuren oft etwas lahm, generisch und uninteressant
— Paul W.S. Andersons Einfluss manchmal spürbar; zum Glück eher „Event Horizont“ als „Resident Evil“
— finaler Cliffhanger macht nur mäßig Lust auf mehr
— Setting kann sich abnutzen
— Rückblenden alle zu gleich und nicht kreativ genug
— hat definitiv Längen und unnötige Wiederholungen drin
— Logiklöcher und fragwürdige Entscheidungen nicht zu knapp
— fast alle Folgen etwas zu lang (40 Min. hätten gereicht)
— für mich zu wenig Richtung Horror (trotz der Ansätze)
— manche Darsteller fallen ab
— Score unauffällig
— es bleibt wenig hängen; vieles wirkt blass und schon besser gesehen
— Ass im Ärmel bzw. feine Ansätze werden zu spät ausgepackt/angedeutet
— Twists und Enthüllungen eher mäßig ausgespielt
— fühlt sich an wie ein großer Build-Up
— Soap-Oper-Feeling zwischendurch
— frustrierend dummes Verhalten zum Teil
Fazit: die Optik ist famos, die Besetzung spielt sich oft genug den Hintern ab und die Einflüsse von Klassikern wie „Alien“, „The Thing“ oder „Sunshine“ sind kaum zu übersehen und gut verwoben. Für Sci-Fi-Fans also grundsätzlich schon eine Empfehlung. Nur leider wird „Origin“ seinem Potenzial nie ganz gerecht, wirkt schnell oberflächlich und redundant, hübsch und leer. Daher entstand bei mir mehr Langeweile als echte Spannung. Nur noch mild empfehlenswert - zumindest wenn man das Setting absolut liebt. Und weil man nicht allzu viele hochwertige Sci-Fi-Serien zu Gesicht bekommt. (5,5/10)