In der Ofdb tragen fünf unterschiedliche Filme den Titel VENUS IN FURS. Es ist somit an der Zeit, eine Rezension zu schreiben, um Konfusion zu vermeiden. Der bekannteste dieser Filme dürfte wohl Jess Francos PAROXISMUS sein, der im Jahr 1969 erschien. Ich wende mich jedoch nicht einer Besprechung dieses Films zu, sondern fokussiere mein Interesse auf die deutsch-italienische Co-Produktion VENUS IM PELZ von Regisseur Massimo Dallamano.
Im Gegensatz zu PAROXISMUS von Franco basiert VENUS IM PELZ tatsächlich auf der gleichnamigen Novelle des österreichischen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch. Diesem -heutzutage nicht mehr so geläufigen Künstler- haben wir den allgemeinen Begriff "Masochismus" zu verdanken. Ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich das Buch noch nicht gelesen habe, schenke mein Vertrauen aber sehr verlässlicher Sekundärliteratur. Irgendwann werden ich die Lektüre auch nachholen, versprochen...
Die Hauptrolle der Wanda spielt die noch sehr junge Laura Antonelli. Als Severin eines Tages Wanda trifft, verliebt er sich sofort in Sie. Doch Severin besitzt eine ganz besondere sexuelle Neigung und bittet Wanda, ihn zu unterwerfen. Beide schließen ein Pakt und heiraten. Nach einiger Zeit reagiert Wanda immer gereizter auf ihren Ehemann und entschließt sich, ihm das Herz zu brechen, indem sie mit dem etwas dümmlichen Bruno vor seinen Augen eine Sex-Beziehung beginnt. Lässt sich diese Entwicklung mit Severins Masochismus vereinbaren?
Der Film ist erotisch. Dies verdankt er vor allem dem prächtigen Körper von Laura Antonelli. Ohne besonders graphisch zu werden, oszilliert der Film zwischen sehenswerten Landschaftsaufnahmen und einer durchaus anspruchsvollen Geschichte. Oftmals nimmt die Kamera -und somit der Zuschauer- eine Voyeurperspektive ein, aus der das Liebesspiel durch ein kleines Loch, Fenster usw. beobachtet wird. Die "härteste Szene" des Films hat mich an LA BÊTE von Walerian Borowczyk erinnert, da für einen kurzen Moment zwei kopulierende Pferde ins Bild gerückt werden und uns in diesem Zusammenhang Großaufnahmen des erigierten Glieds nicht verwehrt bleiben.
Wer Masochismus sagt, muss auch Sadismus sagen? Aufgrund der Tatsache, dass die Schriftsteller deSade und Sacher-Masoch ihre Nachnamen an zwei verwobene Perversionen abtreten mussten, liegt eine Annäherung der beiden Werke nahe. Doch die Welt von Sacher-Masoch besitzt mit den deSadschen Entwürfen wenige Überschneidungen. Zu diesem Ergebnis kommt auch der französischen Philosoph Gilles Deleuze, der sich gegen die Einheit, die Komplementarität der Symptome "Sadismus" und "Masochismus" wendet. In Masochs Welt muss das Opfer sich einen Henker suchen, ihn überzeugen und ausbilden. Gleichzeitig schließen beide ein Vertrag miteinander ab. Der Masochist nimmt in diesem Kontext eher die Rolle eines Erziehers ein und übernimmt in diesem Zusammenhang auch die Verantwortung über das Scheitern oder Gelingen dieser pädagogischen Herausforderung. Auf diese präzise Art und Weise verhalten sich die Protagonisten in VENUS IM PELZ. Der Masochist Severin ist vertragsfähig. Doch er steht vor der permanenten Herausforderung, den Vertrag aufrecht zu erhalten. Mit dem deSadschen Universum, wo anarchische Tendenzen die Überhand gewinnen und Opfer gegen ihren Willen gequält werden, existieren kaum Parallelen. Somit bleibt der Film den Konzeptionen Masochs letztendlich treu und verfällt nicht allzusehr in die Untiefen geschmackloser Exploitationware.
Ein klaren Schwachpunkt stellt für mich jedoch das Ende des Films dar. Ich finde es etwas blödsinnig. Das kann letztendlich aber jeder für sich entscheiden. Die etwas farblosen und hölzern agierenden Schauspieler -mit Laura Antonelli als klare Ausnahme- vermiesen desweiteren den guten Ansatz des Films.
Wer Fan von Euro-Erotik ist und schon Filme von Walerian Borowczyk oder Jean Rollin gesehen hat, kann durchaus mal ein Blick riskieren. VENUS IM PELZ lässt sich sicherlich nicht als einfacher "Skin-Flick" beschreiben, dafür ist er zu anspruchsvoll fotografiert. Es bleibt der Verdienst von Massimo Dallamano, den Inhalt des Film nicht billigen Schockmomenten geopfert zu haben. Für ein großes Drama feht jedoch noch einiges...
Solide
6.5/10